Oberpfälzer organisieren die weltweit größte Java-Community-Konferenz

Weiden. Java ist eine der drei populärsten Programmiersprachen. Sie ist omnipräsent auf PC und Smartphones. Dass ausgerechnet die „Java User Group Oberpfalz“ die weltweit größte Java-Community-Konferenz JCON organisiert, macht schon ein wenig stolz.

Richard Fichtner, Mitglied im JCON-Content Board, Gründer der Java User Group Oberpfalz und Chef von Hauptsponsor XDEV Software. Bild: XDEV

Die Welt zu Besuch in Weiden – zumindest virtuell, bis die Pandemie endgültig passé ist. Die „Java User Group Oberpfalz“ veranstaltet von 20. bis 23. September die weltweit größte Java-Community-Konferenz JCON. Einer der Hauptsponsoren ist die Weidener Firma XDEV Software GmbH.

Deren Geschäftsführer Richard Fichtner erklärt im Interview mit OberpfalzECHO, was die Java-Welt in ihrem Innersten zusammenhält.

Zur Einordnung: Die Konkurrenzveranstaltung JAX oder W-JAX nennt sich selbst die „führende Java-Konferenz“, die Deutsche Java-Entwickler-Konferenz offeriert „Fortbildung von den Koryphäen der Software-Entwicklung“ – und ihr bietet mit JCON „die größte Java Community Konferenz“. Wie unterscheiden sich diese drei Angebote, und was ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Fichtner: Wir haben schon eine ähnliche Zielgruppe. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal? Die anderen sind kommerzielle Veranstalter. Wir versuchen die Cracks aus der Community einzuladen, die unsere Werkzeuge, die wir täglich nutzen, wirklich bauen – keine Marketing- oder Vertriebsleute. Du musst dir das so vorstellen, als ob ein Landwirt mit dem reden kann, der den Fendt gebaut hat. Und der schon immer wissen wollte, warum der Knopf da unten versteckt ist, wo man kaum hinkommt. Auf unserer Schiene wollen die Entwickler wissen, was bei der Remove-Methode schiefgelaufen ist – das geht runter wie Öl, wenn die im Silicon Valley auch mal was verbockt haben.

Und haben sie’s verbockt?

Fichtner: In diesem Fall, tatsächlich. Die haben da aber auch kein Problem damit, es zuzugeben. Software-Entwickler haben eine gute Fehlerkultur. Oft ist es aber auch so, dass jemand erklärt, warum das genauso sein muss.

Zum Beispiel?

Fichtner: Weil du einen bestimmten Anwendungsfall nicht bedacht hast. Dann ist zwar etwas ziemlich Unintuitives herausgekommen, aber es ist eine Hilfestellung für Großrechnertechniker.

Und warum muss das so sein? Fichtner: Weil das ziemlich alte Männer sind, die nicht so gern umdenken.

Das Team der Weidener Firma XDEV ist Mitorganisator der JCON. Bild: XDEV

Und dann habt ihr da also die Bill Gates und Steve Wozniaks der Java-Branche als Redner?

Fichtner: Nein, das wären eher die Aushängeschilder für Investoren – wir haben die wirklichen Macher an Bord. Leute, die die Werkzeuge gebaut haben, erklären auf einem ganz anderen Level, was es Neues gibt, und warum es Sinn macht, auf eine neue Version umzustellen.

Und die haben keine wirtschaftlichen Interessen wie die Apple-Leute, die dafür sorgen, dass ich mir auf meinem alten iPad, das noch einwandfrei funktioniert, kein Jahn-Spiel mehr anschauen kann, weil Sky-Go, neuerdings Wow, da nicht mehr läuft?

Fichtner: Unsere Produkte kannst du kostenlos nutzen. Java nutzt den gleichen Code wie vor 25 Jahren. Der läuft heute noch, anders als bei Apple. Das ist unglaublich aufwändig, ein System 25 Jahre lang abwärts kompatibel zu halten – aber es ist auch extrem ressourcenschonend. Apple macht es sich da leicht. Wenn ihre Geräte ewig leben, könnten sie nichts Neues verkaufen. Andererseits treiben sie damit auch die Innovation nach vorne. Wenn man sich den Wert der Firma anschaut, könnten sie sich aber längere Lebenszyklen ihrer Produkte schon leisten.

Eure Weidener Firma XDEV Software GmbH ist einer der Hauptsponsoren der JCON?

Fichtner: Es gibt drei Hauptsponsoren, aber wir haben eine herausragende Stellung, weil wir die JCON zusammen mit der Java-User-Group Oberpfalz auch organisieren.

Was genau ist und macht die Java-User-Group Oberpfalz?

Fichtner: Wir sind ein freier Zusammenschluss von Software-Entwicklern aus Regensburg, Tirschenreuth und Weiden, die sich meist in der nördlichen Oberpfalz treffen, wo wir einen Schwerpunkt haben. Uns alle treibt der Wunsch an, uns auszutauschen, weil es manchmal etwas schwierig ist, beim Abendessen mit der Frau oder dem Mann über Java-Themen zu plaudern …

Die Begeisterung kann ich mir bildlich vorstellen …

Fichtner: Und man braucht Leute, die nicht immer nur aus der eigenen Firma kommen. Die Inspiration von außen ist für uns alle, aber auch für die Unternehmen sehr wertvoll.

Gibt es da keine Ängste, das geistiges Eigentum abgegriffen wird?

Fichtner: So was gibt’s eher bei den Maschinenbauern, die sind da verschlossener. Die Softwareentwickler sind offener. Wir machen ja auch viel Open Source. Mal weiß der eine was, mal der andere. Das spart den Firmen Tausende von Euro. Und alles, was ich programmiert habe, kannst du eh nachschauen – ist ja Open Source.

Und keiner wird abgeworben?

Fichtner: Das ist ein No-Go. Da wird streng darauf geachtet. Natürlich gibt es immer eine gewisse Fluktuation, das kannst du nicht verhindern. Aber bei uns wird nie Werbung für eine Firma gemacht. Das Neutralitätsgebot ist sehr eindringlich kommuniziert.

Wie viele Leute sind dabei?

Fichtner: Die Gruppe hat um die 430 Mitglieder – ein Klick und du bist dabei. Bei den Meetings kommen so 20 bis 50 Leute. Wie bei der JCON gibt es immer einen Speaker, der zu einem aktuellen Thema spricht.

Und auch wie bei der Digital Craftmanship Nordoberpfalz?

Fichtner: DCN ist nach dem Vorbild der JUG Oberpfalz entstanden.

Warum tut ihr euch nicht zusammen?

Fichtner: Bei der Java User Group machen wir Themen rund um Java. Die IHK hat nach einem breiterem Themen Angebot im Bereich Digitalisierung gesucht. DCN hat auch schon 350 Mitglieder.

Über 100 Speaker, 2500 Teilnehmer aus über 77 Ländern und 6 Kontinenten bei der letzten JCON klingt nach einer ganzen Menge: Wie muss man sich die Organisation dieser Mega-Veranstaltung vorstellen – heuer ausschließlich online und wann wieder in Kino-Atmosphäre?

Fichtner: Wir organisieren die JCON zusammen mit dem Java-Pro-Magazin als Plattform. Da steckt unheimlich viel Ehrenamt drin, ob in Präsenz oder online. Die analogen Veranstaltungen waren natürlich noch teurer. Das ganze Kino zu mieten, kostet richtig Geld. Dazu das Catering, die Sicherheitskontrollen für 800 Leute – Personal ist teuer, und das soll alles auf Null ausgehen. Aber auch online ist nicht ohne. Zur Betreuung der Online-Räume haben wir dieses Mal externes Personal angeheuert, weil sich unsere eigenen Leute aktiver an der Konferenz beteiligen wollen. Und die müssen richtig was können, dazu perfekt Englisch sprechen und von 8 Uhr bis 22 Uhr präsent sein, um die wichtigsten US-Zeitzonen abzudecken – die Amerikaner an der Ostküste sind sechs Stunden, die an der Westküste 9 Stunden zurück.

Ich habe hin und wieder wissenschaftliche Konferenzen mit vielleicht zehn Leuten mit organisiert – das war schon im Vorfeld nicht ohne, vor allem bei Leuten mit Star-Allüren – bei 100 muss das ja die Hölle sein?

Fichtner: Die Absprachen mit den Speakern sind immer knifflig – einer kann dann doch nicht oder nicht zu der Zeit, und du musst das bei 150 Zeitslots und an die Zeitzonen angepasst wieder umplanen. Und bei dieser Größenordnung hat es auch der technische Support in sich, wenn 2500 Leute aus der ganzen Welt von allen Kontinenten zugreifen. Wir haben dafür eigens vier ITler beschäftigt. Dass jetzt einige der Top-Leute aus dem Java-Umfeld zu uns und nicht zu den anderen gehen, spricht dafür, dass wir das nicht allzu schlecht gelöst haben.

Ein hochprofessionelles Format organisiert von einer losen Gruppe von Open-Source-Entwicklern – warum tut ihr euch das an?

Fichtner: Wir hatten zuvor schon unsere eigenen Entwicklerkonferenzen und wollten dann auch mal die Leute aus dem Silicon Valley, aus Indien und China kennenlernen.

Und wie kommt man mit denen als Oberpfälzer in Kontakt?

Fichtner: Du trittst an die Community heran. Es gibt so genannte User-Groups, da veröffentlicht man einen Call-for-Paper.

Heißt so viel, wie?

Fichtner: Wenn du bei uns sprechen willst, mach einen Vorschlag. Ein Expertengremium wählt dann aus, welche Themen passen. Wir hatten jetzt für unsere 150 Zeitslots über 300 Bewerbungen. Das verbreitet sich dort ganz gut.

Das Team der Weidener Firma XDEV ist Mitorganisator der JCON. Bild: XDEV

Beim ersten Mal werden sich die Stars der Branche noch nicht um einen Vortrag gerissen haben?

Fichtner: Ein wenig hat’s schon gedauert.

Wann habt ihr den ersten großen Fisch an Land gezogen?

Fichtner: Adam Bien war 2017 das erste Mal dabei – ein weltweit anerkannter Speaker, der an Java-Standards mitgearbeitet hat. Ein Freelancer, der inzwischen in der Münchener Gegend wohnt und sein Geld mit Beratung verdient.

Zahlt ihr Honorare?

Fichtner: Nein, im Gegenteil. Einige Sponsoren zahlen etwas, um einen kleinen Slot zu bekommen und einen Speaker stellen zu dürfen.

Macht ihr bei Sponsoren Zugeständnisse an die Qualität der Vorträge – wer zahlt, schafft an?

Fichtner: Das wäre gar nicht im Interesse der Sponsoren, die sich ja von der besten Seite präsentieren wollen. Microsoft zum Beispiel hat erkannt, wie wichtig Java für sie ist, und haben deshalb Top-Leute eingestellt, die dann bei uns als Speaker auftreten.

Machen wir mal ein bisschen Name-Dropping: Wer sind die Top-5 der Redner, welche Bedeutung haben Sie für die Java-Szene?Fichtner: Können wir machen. Adam Bien hatten wir schon, der arbeitet seit über 20 Jahren an den Java-Standards mit. Ob SAP, IBM, Microsoft, alle haben ihre eigenen Java-Derivate, da brauchst du Standards, damit das alles kompatibel ist. Oder Josh Long vom Framework Spring, der hat auch Standards mitentwickelt. Mark Stoodley, der Chief Architect für IBM Java arbeitet am Herzen von Java. Besonders freut mich auch, dass mit Karl Heinz Marbaise ein Deutscher Apache Maven PMC Chair wurde.

Das Team der Weidener Firma XDEV ist Mitorganisator der JCON. Bild: XDEV

Was genau ist Apache Maven?

Fichtner: Das ist ein Werkzeug, das 70 Prozent aller Java-Entwickler nutzen. Apache Maven ist ein Buildtool zum Packetieren und Ausliefern der einzelnen Codes der jeweiligen Softwarekomponenten. Marbaise ist der neue Kommiteechef dieses Open-Source-Projekts.

Einer fehlt noch, dann sind’s fünf …

Fichtner: Dann nehmen wir Markus Kett, den Geschäftsführer von MicroStream, der in Weiden und Regensburg Büros hat. Die machen Open-Source-Werkzeuge zum Speichern von Daten mit In-Memory-Technologie. Das geht 1000-mal schneller als bei einer herkömmlichen Datenbank.

Wofür braucht man das?

Fichtner: Für alles, was schnell gehen soll. Wenn du weniger CPU-Zyklen nutzt, brauchst du weniger Server. Das ist vor allem wichtig, wenn du schnell Informationen abrufen musst wie zum Beispiel ein selbstfahrendes Auto – Kameraauswertung, Navi, Wetter.

Was beschäftigt eigentlich das Volk der Java-Entwickler derzeit am meisten – nach Möglichkeit mit einer Beschreibung, die auch Software-Anwender verstehen können?

Fichtner: Momentan geht’s viel um Performance-Themen. Java war eine Zeit lang als langsam angesehen, das ist mittlerweile überwunden. Andere Programmiersprachen waren da schon mal schneller, aber nicht so super nachhaltig. Jetzt hat man Java technologisch so weiterentwickelt, dass man als Nutzer immer noch komfortabel arbeiten kann und es so optimiert, dass es sehr ressourcenschonend ist. Das schafft man, indem man die Programme so für einen Prozessor aufbereitet, dass der optimal arbeiten kann. Zuvor hat man das einmal für alle Plattformen gemacht und interpretieren lassen, jetzt optimiert man nativ für den Ziel-Prozessor.

Was tragen Software-Entwickler eigentlich zur Rettung der Welt bei?

Fichtner: MicroStream zum Beispiel arbeitet an Scale-to-Zero, was extrem ressourcenschonend ist. Energieverbrauch ist ja ein gigantisches Thema bei der Digitalisierung. Damit lassen sich 70 bis 80 Prozent der Energie einsparen. Das ist High-Tech aus der Oberpfalz, die sich die Silicon-Valley-Leute schon mit großem Interesse angeschaut haben.

Wie funktioniert das?

Fichtner: Das System erkennt, ob Leute daran arbeiten. Wenn nicht, schaltet es sich ab. Wenn dann wieder jemand arbeiten will, muss es in akzeptabler Zeit wieder anspringen, sobald ein Anwender die Applikation aufruft. So verbrauchen Softwaresysteme keinen Strom, wenn man sie nicht braucht. In der Realität sieht es aber noch anders aus. Eine Wald- und Wiesen-Software wird in der Regel von 7 bis 19 Uhr genutzt. In 50 Prozent der Zeit, mit den Wochenenden und Feiertagen sogar 70 Prozent, könnte man sie ausschalten.

Warum schaltet es dann nicht jeder ab?

Fichtner: Weil das die Software oft nicht kann. Die meisten sind so geschrieben, dass sie durchlaufen. Jeder hat Schiss davor, dass sie sich nicht wieder anschalten lassen. Java macht jetzt schon technisch vieles intelligenter, was andere nicht können. Der Java-Code verbraucht weniger Strom, weil er sich ständig optimiert.

Wie viel kann man damit tatsächlich einsparen?

Fichtner: Wir reden von einem Potenzial von deutlich über 80 Prozent Stromersparnis, weil in den Rechenzentren viele Zombiesysteme marodieren, die man mal zum Testen oder Entwickeln gebraucht hat, die aber immer noch in Betrieb sind. Das allein wäre schon ein Ersparnis von einem Drittel. Dazu kommen Systeme, die unter 5 Prozent Last laufen. Und dann eben die genannten Produktivsysteme, bei denen man die 70 Prozent einsparen könnte.

Du bist viel in den USA unterwegs. Wo und was machst du da genau?

Fichtner: Ich war auf einer Entwicklerkonferenz für den Mittleren Westen in Kansas City. In zwei Wochen ist die ApacheCON in New Orleans, die größte Open-Source-Konferenz weltweit – weil dreiviertel des Internets auf Apache-Web-Server laufen. In Las Vegas ist die JavaOne. Die war zuvor im Silicon Valley, aber in Vegas gibt es mehr Hotel-Kapazitäten. Wir nutzen die Konferenzen für den gegenseitigen Austausch. Nur so kann man in der extrem innovativen Branche am Ball bleiben.

Und danach gibt’s wilde Partys?

Fichtner: Ein Software-Entwickler will einen Flipper-Automaten mit einer echten Kugel, Pizza und Burger. Und die meisten spielen Computerspiele.

Ihr erfüllt also alle Klischees?Fichtner: In dem Punkt schon. Was nicht mehr richtig ist, dass wir alle rauchen und weltfremd sind.

Einige Klischees lassen sich die Software-Entwickler nicht nehmen: Pizza muss sein. Bild: XDEV

Co-Hauptsponsor XDEV Software GmbH

Seit über 15 Jahren treibt das Weidener Unternehmen XDEV Software eine Vision voran: die Entwicklung von Individual-Software mit Java und Datenbanken radikal zu vereinfachen. Geschäftsführer Richard Fichtner möchte, „dass möglichst viele Anwender in der Lage sind, professionelle Software-Anwendungen auf Basis von Java für ihre diversen Geschäftsbereiche entwickeln zu können“.

Die Benefits der innovativen XDEV Tools: „Unsere Kunden sind in der Lage, sehr viel schneller produktiv zu entwickeln, benötigen deutlich weniger Spezial Know-how, profitieren von sehr viel kürzeren Entwicklungszeiten, einer kürzeren Time-to-Market und von geringeren Entwicklungs- und Wartungskosten.“

Der USP von XDEV Software: „Wir sind bekannt für unsere Open Source Frameworks wie RapidClipse Framework, JPA-SQL oder XAPI“, sagt Fichtner. „Und wir legen Wert auf unser Engagement in der Open Source Community.“ Fichtners engagiertes Team nimmt an nationalen und internationalen Konferenzen und Messen teil – als Gäste und als Speaker.

Das kleine XDEV-Welterbe: Im Svalbard Global Seed Vault auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen lagern Saatgut-Proben aus der ganzen Welt. Nicht weit entfernt liegt ein weiterer Tresor namens Arctic Code Vault. Auch Code von XDEV wurde hier für die Nachwelt gesichert.XDEV-Dienstleistungen: Neben Tools für Java-Entwickler bietet XDEV Software technischen Support, Beratung, Konzeption und Implementierung von Individual-Software. „Unsere Kunden kommen aus völlig unterschiedlichen Branchen“, sagt Fichtner. „Eine Garantie dafür, dass unsere Projekte sehr abwechslungsreich sind.“

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