Wirtschaft

Oberpfälzer Wirtshauskultur - unverzichtbar und doch gefährdet

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Nordoberpfalz. Die Oberpfälzer Wirtshauskultur liegt allen am Herzen – das zeigte die große, fachlich vielfältig besetzte Teilnehmerrunde, die sich auf Einladung von Regierungspräsident Axel Bartelt an der Regierung der Oberpfalz einfand, um gemeinsam über die aktuellen Herausforderungen der Wirtshauskultur im Regierungsbezirk zu diskutieren.

Runder Tisch an der Regierung der Oberpfalz im Austausch über Situation und Herausforderungen der Gastronomiebranche während der Corona-Pandemie. Bild: Regierung der Oberpfalz/Kammermeier

Teilgenommen haben Vertreter von Branchenverbänden und Akteure aus der Praxis. Darunter der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), der Bezirk Oberpfalz, Oberpfalz Marketing e.V. und der Tourismusverband Ostbayern e.V..

Doch auch der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Landkreistags und Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach, Richard Reisinger, der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, Dr. Jürgen Helmes, sowie Dr. Hellmut Fröhlich, Referatsleiter „Regionale Identität“ beim Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat, waren mit dabei.

Gastwirte Hauptleidtragende der Pandemie

„Gastwirte zählen zu den Hauptleidtragenden der Corona-Pandemie“, unterstrich Regierungspräsident Axel Bartelt. Insbesondere durch die vergangenen Lockdowns, vorübergehende Betriebsschließungen, bis heute geltende, strikte Hygienevorgaben, Mindestabstand und dadurch auch zahlenmäßig deutlich eingeschränkte Möglichkeiten, Gäste zu bewirten.

All diese Maßnahmen hätten die ganze Branche vor immense Herausforderungen gestellt. „Auch, wenn mit diversen Förderprogrammen und Corona-Hilfen seitens Bund und Freistaat versucht worden ist, Gastwirten so gut es ging zu helfen, haben nicht wenige Betriebe angesichts der Schwierigkeiten nicht überlebt und aufgegeben“, so Bartelt.

Wie eine aktuelle Umfrage des DEHOGA ergab, bangt fast jeder zweite Gastronomiebetrieb weiter um seine Existenz. „Wie sich die Pandemie langfristig auf das Gastgewerbe auswirkt, bleibt jedoch noch abzuwarten“, so Bartelt.

Wirtshaussterben durch Personalmangel und Pandemie bedingt

„Denn Fakt ist auch, schon vor Corona nahm das Wirtshaussterben in Bayern einen bedrohlichen Verlauf an.“ Dies belegen Zahlen: So reduzierte sich die Zahl der Wirtshäuser in Bayern zwischen 1980 und 2011 von knapp 7.900 auf weniger als 4.400 Betriebe.

Von 2000 bis 2018 schlossen weit mehr als 1.500 Betriebe ihre Türen für immer. Etwa 500 Gemeinden im Freistaat besitzen, so der DEHOGA Bayern, gar kein Wirtshaus mehr. Wie sehr die Branche, insbesondere auch mit Personalmangel, zu kämpfen hat, zeigten nicht zuletzt die Einblicke aus der Praxis. Daniela Schönharting vom Brauereigasthof Eichhofen und Michael Schieder vom Landhotel „Goldenes Kreuz“ in Moosbach schilderten dies dem Runden Tisch eindrücklich.

Wirtshauskultur schafft regionale Identität

„Eine bittere Entwicklung, der wir gemeinsam entgegenwirken müssen“, bekräftigte Bartelt. In Bartelts Augen sind die Oberpfälzer Wirtshäuser nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Sie sind ein unverzichtbarer Teil des öffentlichen Lebens - ein Botschafter der Oberpfalz mit einer charakteristischen bodenständigen, qualitativ aber sehr hochwertigen Küche.

"Sie verbinden Menschen und sind trotz der Regionalität bemerkenswert vielfältig. Oberpfälzer Wirtshäuser sind ein Ort, wo sozialer Zusammenhalt gepflegt und gelebt wird, ein zentraler Anker der regionalen Identität.“, so Bartelt weiter.

Förderprogramme für den Erhalt geplant

Daher sei es wichtig, sich gemeinsam für den Erhalt der Oberpfälzer Wirtshauskultur einzusetzen und Gastwirte unter anderem staatlicherseits im Rahmen von Förderprogrammen zu unterstützen, aber auch darüber hinaus kreative Ansätze zu entwickeln.

Mit dem Runden Tisch konnten hierzu erste, wichtige Synergien geschaffen werden, die nun im Hinblick auf weitere, gemeinsame Marketingmaßnahmen weiter ausgelotet werden sollen. Hierzu hat das Bayerische Staatsministerium für Finanzen und Heimat dankenswerterweise sein Interesse und seine Unterstützung angekündigt.

Teilnehmer Runder Tisch

  • Richard Reisinger (Bezirksvorsitzender des Bayerischen Landkreistags und Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach)
  • Dr. Hellmut Fröhlich (Bayerisches Staatsministerium für Finanzen und der Heimat)
  • Dr. Jürgen Helmes (Hauptgeschäftsführer IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim)
  • Josef Roidl (Geschäftsführer Verlag Battenberg-Gietl)
  • Dr. Tobias Appl (Kulturheimatpfleger Bezirk Oberpfalz)
  • Andreas Brunner (Bayerischer Hotel-und Gaststättenverband)
  • Stephan Moder (Tourismusverband Ostbayern e.V.)
  • Manuel Köppl (Geschäftsführer Oberpfalz Marketing e.V.)
  • Georg Guggenberger (Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz)
  • Hans-Michael Pilz (LEADER-Koordinator Oberpfalz)
  • Michael Schieder (Landhotel Goldenes Kreuz, Moosbach)
  • Daniela Schönharting (Brauereigasthof Eichhofen)
  • Christiane Zürn (Bereichsleiterin Wirtschaft, Landesentwicklung, Verkehr an der Regierung der Oberpfalz)
  • Angelika Spitzer (stellvertretende Bereichsleitung Landwirtschaft und Ernährung an der Regierung der Oberpfalz)
  • Axel Koch (Sachgebietsleitung Raumordnung, Regional- und Landesplanung an der Regierung der Oberpfalz)
  • Monika Grabinger (Sachgebietsleitung Wirtschaft und Beschäftigung an der Regierung der Oberpfalz)
  • Christine Schmidbauer (stv. Sachgebietsleitung Wirtschaft und Beschäftigung an der Regierung der Oberpfalz)

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