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Pfarrer Dr. André Fischer - "Abschied ist ein scharfes Schwert"

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Grafenwöhr/Pressath. Gottesdienst feiern und das Evangelium verkünden und predigen - das hat der evangelische Pfarrer Dr. André Fischer in der Vergangenheit oft gemacht. Am Sonntag zum letzten Mal.

Von Renate Gradl 

Abschied Pfarrer Dr. Andre Fischer Grafenwöhr4 Pfarrer Dr. André Fischer hat viele Menschen in der Nordoberpfalz bewegt.

Pfarrer Dr. André Fischer bedauert zwar, dass er seine letzte Predigt in Grafenwöhr nicht in seiner "geliebten kleinen roten Michaelskirche" sprechen kann. "Aber irgendwie passt es auch zu Grafenwöhr, dass wir diesen Gottesdienst in diesen besonderen Zeiten hier in der katholischen Pfarrkirche feiern, wo wir in all den Jahren unzählige ökumenische Gottesdienste miteinander gefeiert haben", erklärte er. "Egal, wie kalt es in dieser Kirche war, mit euch beiden (Anmerkung der Redaktion: gemeint waren Pfarrer Bernhard Müller und Gemeindereferentin Christine Gößl) war einem hier vorne immer warm uns Herz. Vielen Dank, dass wir hier sein durften", so Fischer.

Kirchturmdenken? Nix da

Überhaupt "Ökumene" - dieses Wort fiel im Abschiedsgottesdienst oft, sogar mit dem Zusatz "Netzwerk".

Wenn die ganze Welt in versöhnter Verschiedenheit leben könnte, wäre die Welt wahrlich ein besserer Ort"

sagt Fischer. Kooperiert werde auch mit den Nachbargemeinden, in der Kulmregion, im ganzen Dekanat und darüber hinaus. Ein Klein-Klein- und Kirchturmdenken könne sich heute niemand mehr leisten. Ähnliche Lösungsansätze würden auch für die Kommunen gelten. "Hier in der nördlichen Oberpfalz ist dabei die Innovations- und auch die Imaginationskraft höchst erstaunlich. Nicht einmal die Gesetze der Mathematik gelten hier noch" - und nennt das Stichwort „VierStädteDreieck“.

Abschied Pfarrer Dr. Andre Fischer Grafenwöhr1 Ellbogen-Check statt Handschlag zum Abschied: Bürgermeister Edgar Knobloch wird Pfarrer Dr. André Fischer vermissen - wie viele Menschen aus der Region.

Einander helfen - ganz einfach

Der Predigttext steht im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Rom (12. Kapitel). Darin heißt es unter anderen, dass wir mancherlei Gaben haben, wie beispielsweise, die zu trösten, barmherzig zu sein oder zu leiten. Auch wenn manche Menschen auf die Hilfe anderer angewiesen sind oder manches nicht mehr leisten können, so könnten diese "für ihre Leute" beten, denn das kann etwas bewirken und Gutes tun. "Ich bin fest davon überzeugt, diese offene, herzliche, freundschaftliche ökumenische Atmosphäre hier in unserer Region haben wir nicht zuletzt auch deswegen, weil wir jeden Sonntag füreinander beten", so der Pfarrer, der in Zukunft auch die Fürther einladen möchte, die ökumenische Fürbitte zu beten.

Leider ist in diesen Zeiten vieles nicht möglich, wie einen Seniorennachmittag oder einen Grillabend mit Jugendlichen zu halten, mit dem Bürgerladen die Sozial-Schwachen zu unterstützen oder auch Kranke und Einsame zu besuchen. Auch bei Paulus war das damals ähnlich, wenn er seine Gemeinden nicht besuchen konnte, wie Pfarrer Fischer erklärt. Trotzdem habe er wie kaum ein Anderer die Menschen erreicht, christliche Gemeinden gegründet und sie lebendig erhalten. "Er hat Briefe geschrieben. Genau das können wir auch heute tun in der Pandemie. Und wir sollen auf Gott vertrauen."

Gotteskind und standhafter Demokrat

Pfarrer Fischer geht auch der Frage nach, ob wir Gottesdienste in diesen Zeiten halten können und ob es überhaupt wichtig ist. Seine Antwort: "Unter Einhaltung aller gebotener Hygieneregeln ist es richtig und wichtig und keine Nebensächlichkeit, dass Gottesdienste gefeiert werden, auch wenn nur Wenige kommen!" Der Prediger beantwortet im Sinne von Paulus auch die Frage, was Gott in diesen Zeiten von uns will? - Wir sollten bescheiden und maßvoll leben, indem wir uns füreinander einsetzen und dienen und in dem, was wir tun, sorgfältig sein, einander zuhören und gemeinsam anpacken. - "All das haben wir gemeinsam in den vergangenen Jahren zumindest versucht, egal, ob es im Kirchenvorstand oder im Team des 'Kinderhauses Kunterbunt' war. Eines ist jedoch sicher: "Wir alle sind von Gott mit Gaben ausgestattet und Teil des Leibes Christi".

"Wir müssen uns jetzt von einem 'Gotteskind' verabschieden und ich tue das mit einem lachenden und einem weinenden Auge", sagt Pfarrerin Anne Utz aus Eschenbach. Der stellvertretende Landrat Albert Nickl formuliert es mit einem Liedtitel von Roger Wittaker: "Abschied ist ein scharfes Schwert". "Ich habe Pfarrer Fischer als exzellenten Prediger und standhaften Demokraten schätzen gelernt. Sein christlicher Glaube ist sein festes Fundament. Er geht auf die Menschen zu und ist mir ans Herz gewachsen", gesteht Nickl. Er, der immer offen für Neues ist, werde frischen Wind nach Fürth bringen. Nickl sagt auch im Namen von Landrat Andreas Meier "Danke" für sein segensreiches Wirken im Landkreis Neustadt/Waldnaab.

Großer Mensch und Seelsorger

Danke sagen auch die Bürgermeister von Grafenwöhr und Pressath. Edgar Knobloch (Grafenwöhr) bringt es auf den Punkt: "Pfarrer Fischer hat nicht nur das Wort Gottes verkündet, sondern ist auch in der Gesellschaft fest verwurzelt." Er habe Sachen angepackt, wie es bei der Generalsanierung der roten Michaelskirche war, die zu Grafenwöhr gehört. Er habe die Menschen zusammengebracht und motiviert, einen positiven Blick auf die Dinge gehabt und seine ehrliche Meinung gesagt. Knobloch nannte auch den Stammtisch "Don Camillos, Peppone und Pauker", den Fischer als "gute Sach" betitelt hat. "Ich werde Dich vermissen, lieber André", verabschiedet sich Knobloch mit einem "Auf Wiedersehen" bei Fischer.

"Es sind die gleichen Menschen, die Dir anvertraut waren", meint Bernhard Stangl (Pressath). Dieser wünscht dem Pfarrer Umarmungen und Freude am Leben: "Du bist ein Original - bleib, wie Du bist!". "Vergelt's Gott" sagt der katholische Pfarrer Edmund Prechtl aus Pressath auch im Namen der Gemeinden Burkhardsreuth und Schwarzenbach für das gute Miteinander. "Gute und erfüllte Jahre" wünscht Pfarrer Bernhard Müller, dazu "viel Kraft und Gottes Segen". "Ich hätte nicht gedacht, dass du es schaffst, vor mir wegzugehen und ich hoffe, dass beide - die katholische und evangelische Pfarrstelle - ab Herbst neu besetzt werden", so Müller, der sich für die Freundschaft und für die guten Beziehungen bedankt.

Diakon Karl Rühl, der Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Weiden, bedankt sich bei Pfarrer Fischer, der als Diakoniebeauftragter eine "volle Scheune" eingefahren hat. Außerdem hat er dem Dekanat Stabilität und Selbstvertrauen gegeben. Davon erzählt die Präsidentin der Dekanatssynode in Weiden, Käthe Pühl. Fischer war ein Segen und eine Stütze für die "Kulmregion", der nicht nur geredet, sondern mit Ideen und Engagement "angepackt" hat. Die "guten Gespräche" in der Landessynode wird Cornelia Treml vermissen.

Pfarrer Fischer war auch der "Senior des Pfarrkapitels" beziehungsweise der Vertrauenspfarrer für die Kollegen im Dekanat. Pfarrer Christoph Zeh aus Erbendorf, sein Stellvertreter, bringt seinen Dank fränkisch und gereimt rüber. Er spricht von "segensreichen Zeiten" und zieht das Fazit über den Weggang: "Wenn's sei muh, muh's halt sei..."

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Ein Netzwerk, das zusammen hält

Hartmut Seidler, der Vertrauensmann des Grafenwöhrer Kirchenvorstandes, und Christoph Franzeck bedanken sich abschließend bei Pfarrer Fischer. "Du hast der Jugend bis hin zu den Senioren Leben eingehaucht, warst Architekt und Baumeister und bist ein großer Mensch und Seelsorger. Wenn Du gehst, dann nicht für immer. Wir finden Dich..." - Für die Motivation, Mut und Kraft, die er den Jugendlichen gegeben hat, hat das Konfi-Team von Sabine Maier dem Pfarrer zum Abschied ein graviertes Glas überreicht. Am Geschenke-Tisch waren außerdem Spezialitäten in Form von Oberpfälzer Zoigl-Bier, Fürther Bier, Wein aus Niederösterreich, Schafkopfkarten, das Landkreisbuch, eine Krippe, ein Fotobuch mit Ökumene-Bildern sowie eine Foto-Collage mit Fotos von den Konfis.

"Wir sind ein großes Netzwerk und dankbar, dass wir ein Teil davon sein durften. Es war eine bereichernde und segensreiche Zeit mit vielen wunderbaren Menschen, denen ich herzlich danke", schließt der evangelische Pfarrer selbst. Mit eingeschlossen waren der Organist Walter Thurn und die Solisten des Chores New Voices, die den Abschiedsgottesdienst musikalisch festlich umrahmt haben.

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