Proteststurm im Landkreis Tirschenreuth gegen die Pläne der Kliniken Nordoberpfalz AG

Tirschenreuth. Wenige Tage nach Bekanntgabe der Pläne der Kliniken Nordoberpfalz zur Umstrukturierung ihrer Häuser formiert sich im Landkreis eine Protestbewegung.

Krankenhaus Tirschenreuth Symbol Symbolbild
Das Krankenhaus Tirschenreuth soll abgespeckt werden. Dagegen regt sich wütender Protest im Landkreis. Foto: Archiv/Kliniken Nordoberpfalz AG

Die Wut wird immer größer im Landkreis Tirschenreuth zwischen Neualbenreuth und Kemnath. Ärzte, Pflegepersonal und Kommunalpolitiker sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger wollen nicht einfach hinnehmen, dass am Krankenhaus Tirschenreuth Gynäkologie, Geburtshilfe und Chirurgie geschlossen, die Notfallversorgung in den Krankenhäusern Tirschenreuth und Kemnath eingeschränkt und die Geriatrie in Erbendorf aufgegeben werden sollen (wir berichteten).

Petition an Entscheidungsträger

Wie die Oberfalz-Medien berichten, haben unter der Regie von Notfallmediziner Dr. Wolfgang Fortelny sechs Ärzte und zwei Notfallsanitäter eine Petition verfasst, in der sie die Kliniken Nordoberpfalz AG auffordern, den Plan zur Umstrukturierung „vorerst auf Eis zu legen“. Sie machen sich für eine Regelversorgung im Krankenhaus Tirschenreuth mit Fachabteilungen für Innere Medizin, Chirurgie, Anästhesie, Intensivmedizin und eine „durchgehend besetzte Notaufnahme mit der notwendigen Hintergrundvorhaltung“ stark. Die Petition ist an die Landräte der Kreise Tirschenreuth und Neustadt/WN, Roland Grillmeier und Andreas Meier, Weidens Oberbürgermeister Jens Meyer, alle Aufsichtsräte und den Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG sowie an den Landtagsabgeordneten Tobias Reiß aus Brand gerichtet.

Ärzte sehen Freistaat in der Pflicht

Neben Fortelny haben die Petition auch die Ärzte Dr. Bertram Völkl, Dr. Achim Nemsow, Dr. Hans Jürgen Jokiel und Dr. Mathias Kalkum unterzeichnet. Die Mediziner sehen hier auch den Freistaat Bayern in der Pflicht. Da er letztlich für die medizinische Daseinsvorsorge verantwortlich sei, müsse er solch wesentlichen Maßnahmen zustimmen, bevor die Kliniken Nordoberpfalz AG hier Fakten schaffen könnten. Es gehe um die Rettung des Krankenhauses Tirschenreuth und den Erhalt einer sicheren Gesundheitsversorgung. “Das Krankenhaus Tirschenreuth erfüllt alle rechtlichen Voraussetzungen, um auch weiterhin eine Notaufnahme mit dauerhafter Besetzung, eine Intensivstation und einen OP-Bereich zu betreiben”, betont Fortelny.

Protestmarsch am Sonntag

Am Sonntag, 10. Dezember, planen die Unterzeichner der Petition einen Protestmarsch in Tirschenreuth. Er startet um 14 Uhr von der Notaufnahme des Krankenhauses und führt zum Landratsamt. „Wir erwarten eine überwältigende Teilnahme unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger und bitten alle darum, auch mit Zeichen und Schildern ihren Ängsten und Sorgen Nachdruck zu verleihen“, betont Dr. Fortelny.

Aktionsgruppe bietet Hilfe an

Klaus Emmerich von der Aktionsgruppe „Schluss mit Kliniksterben in Bayern“, bietet den Protestierenden Unterstützung in Form einer Handreichung für Initiativen gegen eine Klinikschließung an. „Mit der neuen ‘Handreichung für Initiativen gegen eine Klinikschließung’ richtet sich das Bündnis Klinikrettung an Initiativen, die sich gegen eine drohende Krankenhausschließung wehren möchten.“ Informiert werde über typische Vorgänge bei einer Krankenhausschließung und Aktiven werden Werkzeuge an die Hand gegeben, um die Schließung zu verhindern.

„Unzumutbare Entfernungen“

„Eine Katastrophe! Was die Kliniken Nordoberpfalz als zukunftsweisendes Krankenhauskonzept darstellen, ist aufgrund unzumutbarer zukünftiger Entfernungen der Patienten zum nächstgelegenen Allgemeinkrankenhaus mit durchgehender Notfallversorgung ein Anschlag auf die Gesundheit“, schreibt Emmerich. Mehr als 30 Fahrzeitminuten zu einem Allgemeinkrankenhaus mit Innerer Medizin, Chirurgie und durchgehender Notfallversorgung seien bei eskalierenden Krankheitsverläufen oder traumatischen Verkehrsunfällen lebensentscheidend. Werde man in der Nacht oder am Wochenende schwer krank oder am Wochenende in einen schweren Unfall verwickelt, könnte es bis nach Weiden zu spät sein. Genau das aber sähen die regionalen Volksvertreter vor – aus berechtigten ökonomischen Sorgen. Hier sei aber die Ökonomie wichtiger als das Wohl der Patienten. „Wehren Sie sich jetzt, bevor es zu spät ist“, appelliert Emmerich an die Tirschenreuther.

Petition gegen den Abbau

In einem Brief an die Oberpfalz-Medien schreiben die Mediziner Dr. Christine Scudieri, Dr. Helmut Rüth und Dr. Hans-Jürgen Jokiel: „Der Landkreis Tirschenreuth schafft seine Krankenhausversorgung ab.“ Sie befürchten, dass es für die knapp 160.000 Einwohner der Landkreise Neustadt/WN und Tirschenreuth in Zukunft keine Akutversorgung rund um die Uhr gebe. Dabei stünden auch eine Gefährdung der Notarztwagen-Versorgung durch nicht ausreichende Ressourcen und weite Transportwege mit entsprechenden Lücken in der notärztlichen Präsenz im Raum.

Unterdessen hat auch Susanne Fröhlich-Wagner aus Wiesau auf Open Petition, einer Internetplattform für Online-Petitionen, eine Unterschriftenaktion gestartet. Unter der Überschrift „Nein zum Abbau des Krankenhauses Tirschenreuth“ sammelt sie Stimmen gegen die geplante Umsetzung der Pläne für das Tirschenreuther Kreiskrankenhaus. Innerhalb kurzer Zeit hat sie schon über 7000 Unterstützer gefunden.

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