Regional genießen (5): Rhabarber

Weiden. Kaum ein Gemüse aus dem Garten ist so selten geworden, wie der Rhabarber. Dabei sind die süßsauren Stängel so vielseitig einsetzbar und vor allem gesund.

Rhabarber Foto: Martin Stan
Rhabarber ist gesund. Das offizielle Ende der Erntezeit ist wie beim Spargel der 24. Juni. Foto: Martin Stangl

Kaum ein so wertvolles Gartengemüse ist aus unseren Küchen so radikal verschwunden, wie der Rhabarber. Es ist Zeit, ihn wieder ins Bewusstsein zu rücken. Denn bald ist schon wieder Schluss mit der Rhabarbersaison.

Wissenswertes rund um den Rhabarber

Überraschend ist, dass der Rhabarber ein Gemüse aus der Familie der Knöterichgewächse ist, auch wenn er oft wie Obst behandelt wird. Knöterich kennen wir unter anderem von der Fassadenbegrünung. Als wuchernde Pflanze ist er manchmal schwer einzudämmen, weshalb fast kurios ist, dass es in seiner Familie auch einen schmackhaften Verwandten gibt.

Hier sind die wichtigsten Fakten über Rhabarber:

  • Botanisch gesehen sind die roten oder grünen Stangen von Rhabarber ein Stängelgemüse, ähnlich wie Spargel oder Staudensellerie.
  • Nur die Stiele des Rhabarbers werden gegessen, nicht der Fruchtstand. Dies ist ein Unterscheidungsmerkmal zu Obst.
  • Rhabarber hat einen fruchtig-säuerlichen Geschmack und wird oft für Süßspeisen wie Kuchen, Kompott oder Marmelade verwendet.
  • Er stammt ursprünglich aus Ostasien (Tibet, Mongolei) und wurde früher vorwiegend als Heilpflanze genutzt.
  • Die Haupterntezeit ist von April bis Juni. Offiziell ist die Erntezeit am 24. Juni (Sommersonnenwende) beendet. Rhabarber aus dem Treibhaus ist schon ab Dezember erhältlich.
  • Frischer Rhabarber sollte feste, glänzende Stangen mit saftigen Enden haben. Dicke Stangen sind faserig und müssen geschält werden.
  • Rhabarber ist kalorienarm und reich an Vitamin C. Roh ist er jedoch schwer verdaulich und sehr sauer.

Woher kommt der Name “Rhabarber”?

Die Bezeichnung der Pflanze Rhabarber enthält zwei Bestandteile: “Rha” und “barber”. Die Silbe “Rha” geht auf das Wort “rheum” zurück, was übersetzt “Wurzel” bedeutet. Der zweite Teil enthält Wort “Barbar”, das wir alle mit “fremd oder ausländisch” in Verbindung bringen können. Zusammengesetzt bedeutet das Ganze: “fremde oder ausländische Wurzel”.

Bei seiner Einführung in Europa im 18. Jahrhundert wurde die deutsche Bezeichnung aus dem italienischen Wort “rabarbaro” entlehnt, entsprechend dem französischen “rhubarbe” und dem spanischen sowie portugiesischen “ruibarbo”. So leitet sich der deutsche Name Rhabarber von der ursprünglichen Herkunft dieser Pflanze aus Asien ab, die zunächst als fremde, medizinische Wurzel nach Europa kam.

Warum ist Rhabarber gesund?

In China wird Rhabarber seit rund 4000 Jahren als Arzneimittel verwendet. Er galt als Wunderpflanze und wurde zur Behandlung vieler Beschwerden wie Verstopfung, Fieber, Menstruationsstörungen und Lebererkrankungen eingesetzt.

Rhabarber bietet also viele gesundheitliche Vorteile. Zunächst ist er reich an Vitamin C, was das Immunsystem stärkt und Erkältungen vorbeugen kann. Außerdem hat der hohe Kaliumgehalt entwässernde Wirkung und fördert den Nährstofftransport in die Zellen. Das enthaltene Natrium unterstützt die Verdauung und regt zusätzlich die Darmbewegungen an. Nicht zu vernachlässigen ist, dass die Fruchtsäuren im Rhabarber den Appetit anregen. Zu guter Letzt: Er ist kalorienarm, fettfrei und ballaststoffreich, was für die Figur vorteilhaft ist.

Es gibt allerdings eine Einschränkung: Der hohe Gehalt an Oxalsäure ist für empfindliche Personen zu beachten. Die kann bei Kindern sowie Personen mit Nieren-, Gallen- oder Gelenkproblemen zu Beschwerden führen. Für gesunde Erwachsene ist Rhabarber jedoch unbedenklich und eine gute, kalorienarme Nahrungsquelle für Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.

Rhabarbertorte genießen

Als Anregung, wieder einmal Rhabarber zu genießen, hat OberpfalzECHO ein leckeres Tortenrezept herausgesucht.

Knetteig:
125 g Mehl
20 g Kokosraspeln
40 g Zucker
75 g Margarine

Biskuitteig:
2 Eigelb
2 Esslöffel warmes Wasser
2 Eiweiß steif geschlagen
50 g Mehl
25 g Stärkemehl

Belag:
1 Esslöffel Erdbeermarmelade
750 g Rhabarber
200 g Zucker
abgeriebene Zitronenschale
10 Blattgelatine
375 g Sahne
1 Esslöffel Zucker
1 Päckchen Vanillezucker

Zuerst den Knetteig zubereiten und auf dem eingefetteten 26-cm-Boden einer Springform ausrollen. Bei 220 Grad etwa 10 Minuten backen.

In der Zwischenzeit aus den genannten Zutaten den Biskuitteig herstellen. Nun auf den heißen, vorgebackenen Knetteigboden einen Esslöffel Marmelade verstreichen und den Biskuitteig darauf verteilen. Noch weitere 10-12 Minuten backen und dann abkühlen lassen.

Rhabarber in etwa 2 cm lange Stücke schneiden und in einen Topf geben. Geriebene Zitronenschale und Zucker dazugeben und rund 5 Minuten garen. 750 ml heißes Rhabarberkompott in eine Schüssel geben und eingeweichte und ausgedrückte Gelatine darin auflösen. Masse abkühlen lassen.

Sahne mit Zucker und Vanillezucker steif schlagen und unter die halbsteife Rhabarbermasse heben. Um den Tortenboden einen Tortenring stellen, die Masse einfüllen und abgedeckt im Kühlschrank steif werden lassen.

Die Torte vor dem Servieren mit Sahnetupfern verzieren.

Buchtipp: Kouchn, Köichla, Kipfala

Das Rhabarbertorten-Rezept stammt aus nachfolgendem Buch. Darin sind zahlreiche weitere regionale Schmankerlrezepte zu finden.

Kouchn, Köichla, Kipfala - Oberpfälzer Brauchtumsbackbuch
Kouchn, Köichla, Kipfala – Oberpfälzer Brauchtumsbackbuch quer durchs Jahr. Eine Fundgrube für regionale Rezepte aus der Oberpfalz. Foto: Martin Stangl

Wolfgang Benkhardt, Kouchn, Köichla, Kipfala – Oberpfälzer Brauchtumsbackbuch quer durchs Jahr, Battenberg Verlag, Hardcover, 24,90 Euro

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