Rentnerpaar tauscht Vierseithof in Höflas gegen Villa eines Ex-Bayern-Trainers am Meer

Höflas/Konnersreuth. Sie lebten in einem idyllischen Vierseithof in Höflas bei Konnersreuth. Mit Pferdeställen und Koppeln, einem römisch-dekadenten Whirlpool und drei Hunden. Jetzt genießen Evi und Robert Grundler-Gaymann ihre Rente auf der kroatischen Halbinsel Istrien.

Traumhaus-Tausch: Evi und Robert Grundler-Gaymann verkaufen ihren idyllischen Vierseithof in Höflas und ziehen in die kroatische Villa am Meer eines Ex-Bayern-Trainers. Collage: Jürgen Herda

Im ersten Teil der bewegten Lebensgeschichte von Evi und Robert Grundler-Gaymann schildern die beiden, wie sie sich kennengelernt und den Vierseithof in Höflas gefunden haben – und wie Roberts großer Traum platzt und die politische Gesamtlage sie ins Grübeln bringt. „Ist das noch der richtige Ort, um glücklich alt zu werden?“

Eigentlich sollte der Vierseithof in Höflas eine Endstation für das Paar werden. Doch es kam anders. Ein Oldtimer-Projekt in Weißenstadt scheitert am Widerstand eines Nachbarn. Und mit ihm die geplante Übergabe des Hofes an Sohn André, einen Spitzenkoch, der den ehemaligen Gasthof zu neuem Leben erwecken hätte können. Evi und Robert stehen vor dem Scherbenhaufen ihres Lebenstraums. Da reift ein neuer Plan.

Lieber Haus am Meer als Haus am See

Der erste Impuls zum Aussteigen kommt von einem engen Freund der Familie. „Der Richard, mein Hausarzt, meinte irgendwann einmal, er hätte am Plattensee ein Anwesen gefunden“, erzählt Robert. Ein Doppelhaus mit jeweils 200 Quadratmetern Wohnfläche in einem Sechseck gebaut. „Und weil ich halt so ein Macher wäre, meinte Richard, bräuchte es noch so ein bisschen meine Handschrift.“ Ein schönes Haus sei das schon gewesen, findet auch Evi. „Wir haben hin und her überlegt – und dann beschlossen, wenn schon, dann gehen wir ans Meer.“

Die beiden hätten begonnen, in Kroatien nach einem geeigneten Objekt zu suchen. Warum dort? „Es ist zum Chiemgau nicht weit“, erklärt Evi die Standortwahl, „und das ist mein eigentliches Zuhause.“ Und Robert ergänzt: „Der Putin hat das Streiten angefangen.“ Und da habe er sich überlegt: „Du bräuchtest ein Land mit wenigen Bodenschätzen und wenigen großen Häfen, um die man streiten kann.“ Die Lebenshaltungskosten sollten auch noch erschwinglich sein: „Also eigentlich ein perfekter Alterssitz.“ Und da sei dann eben Kroatien in den Fokus geraten.

Geflasht von der ersten Besichtigung

Und was Evi schon beim Glücksgriff mit dem Vierseithof in Höflas gelang, kam den beiden auch jetzt wieder zugute: „Meine Frau hat sich als richtiger Scout erwiesen.“ Als sie das erste Mal runtergefahren sei, um sich ein paar Häuser anzuschauen, sei das Richtige nicht dabei gewesen. Sie habe dann noch einmal mit der Maklerin telefoniert: „Und dann hat die gesagt, ja, sie hätte schon noch eines, aber sie weiß nicht, ob sie das freigeben darf.“ Sie habe sich die Bilder angeschaut und zu ihrem Mann gesagt: „Komm, pack zusammen, fahr herunter …“

Ein braver Ehemann tut, wie ihm geheißen. Und fährt mit seinem Freund Richard, der sich inzwischen auch vom Plattensee verabschiedet hat, auf Istrien-Exkursion. „Ich habe schon viel gesehen in meinem Leben“, beschreibt Robert seinen ersten Eindruck vom neuen Traumhaus, „aber ich war einfach nur geflasht – so was habe ich noch nie gesehen.“ Hanglage mit Blick direkt aufs Meer, auf die Adria. Und 290 Meter bis zum nächsten Nachbarn.

Tschik Čajkovskis Villa in Sveta Jelena, zwischen Mošćenice, Mošćenička Draga und Opatija. Bild: Grundler-Gaymann

Schnappatmung wegen Tschik Čajkovski

Aber das ist erst der Anfang. Das erste, was die beiden Besucher beim Betreten des Hauses in Sveta Jelena, zwischen Mošćenice, Mošćenička Draga und Opatija sehen, ist ein riesiges Weinfass als Schlüsselablage. „Da lagen Visitenkarten, darauf stand, Tschik Čajkovski …“. Anmerkung der Redaktion: Zlatko Čajkovski, gestorben am 27. Juli 1998 in München, jugoslawische Fußballlegende und Ex-Bayern-Trainer, aufgrund seiner Größe von 1,64 m „Tschik“, serbokroatisch Čik für „Zigaretten-Stummel“, genannt. Fußballmuffel Robert kann damit wenig anfangen, aber Richard ist sofort elektrisiert. „Der hat Schnappatmung gehabt.“

Er selbst habe die Einrichtung der „Nobelbude“ bestaunt, Richard die Maklerin über den Besitzer ausgefragt. „Der Tschik Čajkovski ist ja schon verstorben, das Haus gehört seinem 67-jährigen Sohn.“ Ein sehr netter Mensch, wie Evi inzwischen weiß. Die Maklerin habe noch immer hinter dem Berg gehalten, bis seine Evi zu Robert sagte: „Ruf ihn mal an – da, nimm das Handy, ich hab schon gewählt.“ Das sei bei den beiden immer so. „Dann komme ich nicht aus, dann musste ich mit ihm sprechen.“ Sprachbarrieren habe es keine gegeben. „Das ist ein Bayer durch und durch – mit ein paar Eisdielen und Kneipen in Minga.“

Tschik Čajkovski und zwei junge Talente: Der Mann, der Bayern zu Titeln quatschte, Bild: DFB

RTL dreht eine Geheimsache im Haus

Čajkovski löse seine Liegenschaften auf, weil er eine jüngere Frau und zwei kleine Kinder habe. „Wenn er jetzt einen Herzinfarkt kriegen würde, oder ein Hirnschlagerl“, habe er Robert die Verkaufsmotivation erklärt, „dann stünde seine Frau vor einem Riesenberg voll Problemen, und dem wirkt er entgegen.“ Stundenlange Telefonkonferenzen mit dem freundlichen, umgänglichen und hilfsbereiten Besitzer folgten. „Wir wären ja schon unten, wenn nicht RTL das Haus gepachtet hätte.“ Für Temptation Island? „Das ist geheim, das haben sie nicht gesagt.“

Und Robert wäre nicht Robert, wenn er nicht noch einen Deal herausgehandelt hätte: „Wir kriegen das Haus komplett möbliert, plus zwei neue Wärmepumpen, das ist jetzt auch am neuesten Stand.“ Zumal Wärmepumpen nicht nur wärmen, sondern im Sommer auch kühlen. Und wann soll es losgehen? Ende August starteten Robert und Richard als Vorhut, Evi folgte am 3. September mit den Hunden. Am fünften erfolgte der Katzen-Transport. „Der Umzugswagen kommt am 6. September und am Tag danach der Traktor-Oldie.“

Neue Heimat auch für Schäferhund Tamson. Bild; Evi Gaymann

Rumtummeln mit Oldtimern und Fischern

Was haben die beiden in Kroatien eigentlich vor – außer aufs Meer zu schauen? „Das Mindeste in einem fremden Land ist es“, findet Evi, „dass man die Sprache kann, um sich mit den Leuten auseinanderzusetzen – einfach Achtung vor dem fremden Land.“ Robert freut sich auf den kroatischen Way of Life. „Ich möchte ein bisschen rumtummeln, ob jetzt die Oldtimer raus müssen oder ich selber – vielleicht auch mal mit einem Fischer.“ Kontakte knüpfen. Eine Schulkameradin, die einen Kroaten geheiratet hat und nicht weit weg lebt, habe sich schon als Umzugshilfe angekündigt.

Und der erste Besuch wird bereits am zweiten Tag nach Evis Ankunft erwartet – mit Wohnmobil für eine Woche. „Der Richard hat sich auch ein Haus gekauft in der Nähe von uns“, freut sich Robert auf phasenweisen Zuzug, auch wenn sein Hausarzt noch einige Jahre in der Oberpfalz praktizieren muss. „Vielleicht wird‘s einmal ein Boot“, sinniert er über sein nächstes Projekt. Vermutlich ein Oldtimer aus der Frühzeit der Dampfschifffahrt. „Dann freuen wir uns schon, wenn wir euch in Kroatien begrüßen dürfen“, regt Evi eine Serie über unsere Oberpfälzer Auswanderer in Kroatien an.

Hofkäufer gesucht

Was bleibt jetzt noch? „Wir sind auf der Suche nach jemandem, der gern so einen Hof hat“, hofft Evi auf einen Käufer, der den Vierseithof in Höflas zu schätzen weiß. „Es sollen halt Leute sein, die auch ein bisschen ihr Lebensglück hier finden.“

Wobei nicht entscheidend sei, welches Konzept sich der neue Besitzer für den Hof überlege: „Das kann auch in eine andere Richtung gehen, es muss nicht jeder das Kartenspiel so spielen, wie ich es spiele“, ist Robert tolerant. „Das Haus ist so groß, dass mindestens zwei Familien darin wohnen können, wenn man es ein bisschen geschickt anstellt.“

Idyllischer Vierseithof in Höflas bei Konnersreuth zu verkaufen. Bild: Jürgen Herda

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1 Kommentare

Kalle - 18.09.2022

Irgendwie ist die ganze Story recht unangenehm. Nur weil ein „Oldtimer-Projekt“ im 30km entfernten Weißenstadt scheitert, stehen „Evi und Robert … vor dem Scherbenhaufen ihres Lebenstraums“. Die armen Geißens…