Rollt auf dem Radlweg in Zukunft wieder der Zug?

Tirschenreuth. Früher Bahnlinie, heute Radlweg. Die Grünen wollen, dass zwischen Tirschenreuth und Wiesau wieder Züge fahren.

Die Grünen, allen voran die Bärnauer Landtagsabgeordnete Anna Schwamberger (Dritte von links), Vertreter von Pro Bahn und Verkehrsclub Deutschland, setzen sich für die Reaktivierung der ehemaligen Bahnstrecke von Tirschenreuth nach Wiesau ein. Foto: Theo Kurtz

Eine deutsche Kreisstadt ohne Bahnanschluss? Das hat absoluten Seltenheitswert. In dieses Raritätenkabinett kann sich Tirschenreuth einreihen. 1989 dampfte dort der letzte Personenzug ins elf Kilometer entfernte Wiesau. Das sollte sich bald wieder ändern, meinen die Grünen in Stadt und weiß-blauem Landtag. Die Abgeordnete Anna Schwamberger hatte jetzt zu einem Vor-Ort-Termin am Einstieg des Vizinalbahnradwegs eingeladen. Auf der ehemaligen Bahntrasse strampeln sich heute die Pedalritter nach Herzenslust ab.

Hochkarätige Expertenrunde

Schwamberger hatte einen hochkarätigen Expertenkreis zusammengetrommelt. Neben ihrem Kollegen Dr. Markus Büchler, der als Mobilitätssprecher der Grünen im Maximilianeum sitzt, hatte sich Dr. Christian Loos, der Bayerische Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) von Würzburg auf den Weg in die Oberpfalz gemacht. Mit dabei auch Wolfgang Kraus vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Noch befindet sich die Reaktivierung der Bahnstrecke im Gesprächsstadium. Schwamberger will aber das Thema jetzt forcieren, einen Meilenstein setzen. Gemeinsam mit ihrem Parteikollegen Büchler will sie einen Berichtsantrag an die bayerische Staatsregierung stellen. „Wir möchten, dass eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wird“, erklärt sie.

Hohes Lkw-Aufkommen

Dank erfolgreicher und expandierender Unternehmen in der Region hat sich zwischenzeitlich das Lkw-Aufkommen massiv erhöht. „Mittlerweile kannst du die Straße von Mitterteich nach Tirschenreuth nicht mehr sicher mit dem Rad überqueren“, kritisiert der Tirschenreuther Grünen-Stadtrat Franz Heinrich.

Güterverkehr rauf auf die Schiene

Mit der Reaktivierung der Bahnstrecke könnte man nach Ansicht von Schwamberger gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: zum einen den Güterverkehr runter von der Straße bringen, den Menschen, angesichts der hohen Spritpreise eine preiswertere Alternative zum Auto bieten und zum dritten einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz und dem Klimaschutz leisten.

Anschluss ans tschechische Bahnnetz?

Pro Bahn-Mann Kraus spinnt den Gedanken noch ein bisserl weiter. „Man könnte den Anschluss an das tschechische Bahnnetz herstellen“, erläutert er. Zuvor müsste aber dann auch noch das aufgelassene Teilstück zwischen Tirschenreuth und Bärnau wieder auf Vordermann gebracht werden. Auf dieser rund 13 Kilometer langen Strecke ratterte zum letzten Mal Mitte der 70er Jahre ein Personenzug über die Gleise.

Im Gegensatz zum weiß-blauen Freistaat, scheinen die angrenzenden Nachbarn deutlich mehr auf den Zug abzufahren. So würden in Baden-Württemberg mehr als 50 Trassen auf ihre Reaktivierung hin abgecheckt, in Bayern sind es hingegen gerade mal drei. Und auch die Tschechische Republik nimmt beim Streckenausbau und der Elektrifizierung eine Vorbildrolle ein.

Am Geld kann es nicht scheitern

Dass kein Geld da sei, um die Schieneninfrastruktur im ländlichen Raum auszubauen, dieses Argument lässt Anna Schwamberger nicht gelten. Der Bund überweise jedes Jahr für den Bahnunterhalt eine Milliarde Euro an den Freistaat, erläutert die Landtagsabgeordnete. „Davon wird aber immer auch ein gewisser Betrag für den Ausbau der zweiten Stammstrecke in München zurückgelegt.“ Für ein Projekt, das in der Landeshauptstadt aber niemand haben wolle.

Die Landtagsabgeordnete will den Radlfahrern übrigens ihren Spaß keinesfalls vermiesen. Sie glaubt, dass man durchaus eine Lösung finden könnte, bei der Zug und Drahteselenthusiasten gemeinsam diese Trasse nutzen könnten.

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3 Kommentare

Sven - 05.10.2022

Ist das die gleiche Dame die alles getan hat damit die Firma Ziegler nicht in Bärnau neu baut? Und jetzt bringt die so einen Vorschlag, pro Ziegler ??
Hat da jemand ein schlechtes Gewissen?

Sven G. - 05.10.2022

Ist das die gleiche Dame, die einen Neubau der Firma Ziegler in Bärnau verhindert hat ?
Und jetzt will sie die Bahntrasse reaktivieren, zugunsten der Firma Ziegler?? Hat da jemand ein schlechtes Gewissen ??

Andreas - 05.10.2022

Wo sollen dann die Fahrräder und die Spaziergänger sich aufhalten, die müssen etwa im zwischen den beiden Schiene Fahren wenn kein Zug kommt. Der Bereich wird eben geteert.