Steinmeier-Besuch in Weiden: Diese fünf Oberpfälzer bekommen den Verdienstorden

Weiden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet am 27. Juni in Weiden zehn Bayern mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus. Darunter sind bekannte Gesichter aus der Region.

Bundespräsident
Bundespräsident Steinmeier “wohnt” ab Dienstag für drei Tage in Weiden. Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeichnet am Donnerstag, 27. Juni, im Alten Schulhaus in Weiden in der Oberpfalz fünf Frauen und fünf Männer aus Bayern mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus.

Die Geehrten setzen sich laut Bundespräsidialamt auf herausragende Weise für andere ein: Sie sind in der DLRG oder im THW aktiv, engagieren sich für die Völkerverständigung und die Aufarbeitung der NS-Zeit, vermitteln kreatives Schreiben oder wissenschaftliche Inhalte an Jugendliche, unterstützen Frühgeborene und ihre Familien oder setzen sich für ältere Menschen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein.

Die Ordensverleihung findet während der “Ortszeit Weiden” statt, der elften Reise des Bundespräsidenten in der Reihe “Ortszeit Deutschland”. Steinmeier verlegt ab Dienstag seinen Amtssitz für drei Tage in die Region, um in den Austausch mit Menschen überall im Land zu kommen.

Er besucht unter anderem den Jugendtreff “Plan B”, den FC Weiden-Ost, den Kindergarten “Kreuz Christi”, die Porzellanfabrik Seltmann und die Major-Ratloff-Kaserne und disktutiert mit Kommunalpolitikern im Rathaus sowie im Café Neue Mitte. Abschluss des Programms ist die Ehrung im Alten Schulhaus am Donnerstag.

Folgende Bürger werden ausgezeichnet, die Laudatio stammt jeweils aus dem Bundespräsidialamt:

Rainer Christoph, Weiden in der Oberpfalz

Rainer Christoph (links) bei einem Termin zum Thema “Goldene Straße” mit dem Hirschauer Bürgermeister Hermann Falk. Foto: Christoph

Der ehemalige Schulleiter hat Weiden zu einem festen Brückenpfeiler der deutsch-tschechischen Verständigung gemacht. Rainer Christoph stammt selbst aus Weiden und hat direkt miterlebt, was der Eiserne Vorhang, der Europa in der Zeit des Kalten Krieges jahrzehntelang teilte, für die Menschen auf beiden Seiten bedeutete. Unmittelbar nach Öffnung der Grenzen hat Rainer Christoph 1990 eine der ersten Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Tschechien aufgebaut.

Viele weitere deutsch-tschechische Schulprojekte folgten. Bis heute motiviert er junge Menschen dafür, sich mit der Geschichte der beiden Länder auseinanderzusetzen. Da er weiß, dass dabei nichts so wichtig ist wie die persönliche Begegnung, organisiert er Treffen, Ausstellungen und Studienreisen. Außerdem forscht und publiziert er zur “Goldenen Straße in Bayern und Böhmen”. Dass aus diesem traditionsreichen Handelsweg heute ein lebendiger Erinnerungsort geworden ist, ist ganz besonders Rainer Christoph zu verdanken.

Andrea Glaubitz, Pirk

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Andrea Glaubitz mit Bürgermeister Lothar Höher (von links) bei einem Termin zum Thema “Schule ohne Rassismus”. Foto: OberpfalzECHO

Andrea Glaubitz ist als eine der aktivsten Ehrenamtlichen in Weiden bekannt. Ihre Leidenschaft als Schwimmerin hat sie schon als junger Mensch in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, als sie im Alter von 18 Jahren den Vorsitz der DLRG-Jugend in Weiden übernahm. Später hat sie die DLRG-Jugend auch im Vorstand des Bezirksjugendrings Oberpfalz vertreten. Denn die Werte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft will sie auch an andere Jugendverbände weitergeben. Das Projekt “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” war ihr dabei besonders wichtig.

Aber damit nicht genug: Seit zehn Jahren ist Andrea Glaubitz Vorsitzende der DLRG Weiden und inzwischen auch Vizepräsidentin der DLRG Bayern. Außerdem engagiert sie sich seit Langem in der katholischen Pfarrei St. Josef in Weiden.

Helga Wiesbeck, Weiden in der Oberpfalz

Helga Wiesbeck
Helga Wiesbeck bringt Menschen zum Schreiben. Foto: Helmut Kunz

Helga Wiesbeck versteht es in besonderer Weise, den Menschen zuzuhören. Damit die vielen Geschichten, die ihr erzählt werden, auch bewahrt bleiben, hat sie vor fast 25 Jahren in der Seniorenbegegnungsstätte Maria-Seltmann-Haus in Weiden die Gruppe “Autobiographisches Schreiben”, eine Schreibwerkstatt für Seniorinnen und Senioren, gegründet. Als ehemalige Lehrerin weiß sie, wie sie andere beim Schreiben unterstützen kann. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei, dass sich die Schreibenden ihre persönlichen Erlebnisse aus Kindheit und Jugend in Erinnerung rufen und dabei auch auf die Flucht- und Nachkriegserfahrungen ihrer Familien blicken.

Helga Wiesbeck erreicht damit, dass die Lebenserinnerungen einer ganzen Generation im kollektiven Gedächtnis erhalten bleiben. Bereits 1995 hat sie eine erste offene Gruppe für kreatives Schreiben ins Leben gerufen, die “Turmschreiber Weiden”. Sie besteht bis heute und wirkt an Kulturveranstaltungen in Weiden mit. Außerdem war Helga Wiesbeck von 1991 bis 1994 Mitglied des Stadtrates Weiden.

Thomas Muggenthaler, Regensburg

Thomas Muggenthaler (links) bei einer Diskussion mit Dr. Jörg Skriebeleit. Foto: Josef Pilfusek

Den Opfern einen Namen geben – mit diesem Ziel hat der Autor und Journalist Thomas Muggenthaler die Aufarbeitung der NS-Zeit in Niederbayern und der Oberpfalz zu seinem Arbeitsschwerpunkt gemacht. Maßgeblich war er an der Erforschung der Geschichte des KZ Flossenbürg und der Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg beteiligt.

Akribisch und mit großem Einfühlungsvermögen hat er die Verfolgung von Jüdinnen und Juden dokumentiert sowie zum Schicksal der polnischen Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs geforscht und dafür zahlreiche Zeitzeugen befragt. Seine eindringlichen Filme, Reportagen und Bücher erreichen eine breite Öffentlichkeit und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gedenkkultur in Bayern. Mit seiner Arbeit trägt Thomas Muggenthaler erheblich zur Versöhnung mit unseren europäischen Nachbarländern bei.

Hermine Rodde, Schwarzenfeld

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird schon seit Langem gefordert. Dass es im Landkreis Schwandorf nicht allein bei einer Forderung geblieben ist, dazu hat schon früh Hermine Rodde beigetragen. Seit mehr als 25 Jahren bringt sich die Oberpfälzerin voller Tatkraft in den “Sozialdienst katholischer Frauen” in Schwandorf ein. Seit 2007 ist sie dessen Vorsitzende. Der Verein hat eine Spielstube und einen Tagesmütterdienst eingerichtet, damit Kinder nach Kindergarten und Schule betreut werden können. Dabei arbeitet Hermine Rodde eng mit dem Kreisjugendamt zusammen.

Außerdem übernimmt der Sozialdienst bei Bedarf die Vormundschaft für minderjährige Kinder. Hermine Rodde ist bekannt für ihre nie nachlassende Bereitschaft, sich überall dort einzubringen, wo sie gerade gebraucht wird. Mit ihrem beeindruckenden Engagement hat sie sich um das Gemeinwohl verdient gemacht.

Michael Haas, Bubenreuth

Michael Haas setzt sich seit mehr als vier Jahrzehnten im THW für den Katastrophen- und Zivilschutz der Bürgerinnen und Bürger ein. Bereits 1982 trat er dem Ortsverband Baiersdorf bei, engagierte sich zunächst als Helfer und Kraftfahrer und übte später Leitungsaufgaben aus, u.a. von 1997 bis 2018 als Ortsbeauftragter des THW. Dort stärkte er in vorbildlicher Weise die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr und anderen Hilfsorganisationen im Landkreis.

Als THW-Einsatzleiter stand er im Landkreis stets in den unterschiedlichsten Einsatzlagen bereit und war auch in leitenden Funktionen bei zahlreichen Einsätzen im In- und Ausland aktiv. Seit 1991 ist er 1. Vorsitzender des Fördervereins THW Baiersdorf e.V., der besonders die Jugendarbeit und eine bessere zusätzliche Ausrüstung des Ortsverbands fördert. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für andere ist Michael Haas großes Vorbild und Motivator für das ehrenamtliche Engagement.

Dr. Johannes Klotz und Dr. Sebastian Polly, München

Schon als Schüler waren Johannes Klotz und Sebastian Polly von der Robotik fasziniert. Um ihr Wissen und ihre Begeisterung an junge Menschen weiterzugeben, gründeten sie vor über 20 Jahren den Robotik Verein Vöhringen, den sie 2002 zum Robotic Competence Center Illertal e.V. weiterentwickelten. Beide haben im Verein Führungsaufgaben übernommen, Robotik-Kurse für Schülerinnen und Schüler durchgeführt, an Wettkämpfen in Deutschland und weltweit teilgenommen und auch Wettkämpfe organisiert.

Von 2008 bis 2012 wirkten sie an mehreren Projekten des EU-Programms Comenius im Bereich Robotik mit und arbeiteten mit verschiedenen europäischen Partnerschulen zusammen. Mit ihrer wertvollen Arbeit für Kinder und Jugendliche leisten sie einen herausragenden Beitrag für die so wichtige Vermittlung von Naturwissenschaften und Technik.

Silke Mader, Karlsfeld

Selbst betroffen, engagiert sich Silke Mader seit 1999 intensiv für Frühgeborene und ihre Familien. Sie trat dem Frühchen München e.V. bei, baute den Verein aus und übernahm bis 2003 den Vorsitz. Im gleichen Jahr wurde sie Vorsitzende des Bundesverbandes Das frühgeborene Kind e.V. Sie unter­stützte in dieser Funktion bis 2008 hilfesuchende Eltern rund um die Uhr, suchte den Austausch mit medizinischem und therapeutischem Fachpersonal und setzte sich für eine bessere integrative Ver­sorgung in der Klinik, eine gute Nachsorge für die Kinder und eine psychosoziale Unterstützung der Familien ein.

2008 erweiterte sie ihr Engagement über Deutschland hinaus und wurde Mitgründerin der Stiftung European Foundation for the Care of Newborn Infants (EFCNI), in der sie Führungsaufgaben wahrnimmt. EFCNI ist europaweit die erste Organisation zur Vertretung der Interessen von Früh- und Neugeborenen und deren Familien – ein Netzwerk, durch das länderübergreifend Experten aus unterschiedlichen Bereichen und Eltern zusammen­geführt werden.

Kerstin Wenzl, Cadolzburg

Kerstin Wenzl bringt Generationen zusammen und leistet damit Pionierarbeit. Unter ihrer Leitung hat sich das Mütterzentrum Fürth zu einem breiten Betreuungsnetzwerk entwickelt. Bei ihrer Arbeit steht immer ganz praktische Hilfe für die Menschen vor Ort im Mittelpunkt. 2006 wurde das Mütterzentrum um ein Mehrgenerationenhaus erweitert. Und auch mit dieser Initiative wurde die Erfolgsgeschichte des Vereins fortgeschrieben: Das “Mehrgenerationenhaus Mütterzentrum” ist heute eine Anlaufstelle für alle, ob sie Hilfe suchen oder selbst anbieten wollen, und ein beliebter Treffpunkt in Fürth.

Kerstin Wenzl ist es in besonderer Weise zu verdanken, dass die Initiative als eine der ersten in das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus (MGH) aufgenommen wurde. Außerdem hat sie von 2008 bis 2018 im Bundesnetzwerk der MGH Deutschland ehrenamtlich mitgewirkt und ist u. a. Vorstandsvorsitzende des “Landesnetzwerks bayerischer MGH”.

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