Stolpersteine: Gegenentwurf zu zentralen Gedenkstätten

Weiden. Erstmals wurden in Weiden Stolpersteine zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus verlegt. In einem Vortrag erläuterte der Künstler Gunter Demnig, Initiator dieses europaweiten Projekts, seine Arbeit.

Gunter Demnig bei seinem Vortrag. Foto: Siegfried Bühner

„Stolpersteine sind mein Lebenswerk geworden“, bekannte Gunter Demnig bei seinem Vortrag zum Thema „Stolpersteine – Spuren und Wege“ in der Volkshochschule Weiden-Neustadt. Eingeladen hatte der Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing zusammen mit der Volkshochschule.

100.000 Stolpersteine

„Im kommenden Jahr werden wir 100.000 Stolpersteine verlegt haben“ freute sich der Künstler. Sie lägen überall, „wo der Nationalsozialismus sein Unwesen betrieben hat“. Dann schilderte Demnig, wie es zur Entwicklung dieser Kunstidee kam. Sie entstand als logische Folge aus seinem vorherigen langjährigen Kunstschaffen heraus. Unter anderem als Aktionskünstler realisierte Demnig schon vorher zahlreiche Projekte, bei denen, wie er sagte, „Spuren hinterlassen werden sollten“.

Als Vorgängerprojekte stellte unter anderem „Blutspur Kassel-London“ oder „Kreidespur Köln-Bickendorf zum Bahnhof Deutz“ oder auch eine in Blei geschlagene Liste von Friedensverträgen vor. Auch seine in Tontafeln gedruckte und in mehr als 120 Sprachen formulierte Wiedergabe des ersten Artikels der Menschenrechtserklärung beschrieb Demnig als Vorläufer des Stolpersteinprojekts. „So entstand die Idee, Spuren in Messing dauerhaft zu verlegen“.

Erste Stolpersteine in Köln

Als er nach fünfjährigem Warten auf eine Genehmigung erstmals in Köln 1992 einen Stolperstein verlegt habe, konnte er sich die Entwicklung dieses Projekts bestimmt nicht vorstellen. „Jeder Stein ist handgefertigt und jeder Buchstabe eingelassen“ berichtete Demnig. Auch solle jedes Opfer einen individuellen Stein erhalten. Und die Stolpersteine sollen immer an Orten des tatsächlichen Geschehens verlegt werden, so zum Beispiel in Erinnerung an ermordete jüdische Richter vor einem Gerichtsgebäude in Hamburg.

Bedenken und Widerstände

Dass es auch Widerstände gegeben habe, räumte der Künstler im Vortrag durchaus ein. Nicht nur die Bedenken der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern Charlotte Knobloch wurden angesprochen, sondern auch „drei Morddrohungen“ habe er erhalten. „Erinnerung wird blank poliert, indem man darüber geht“, sagt er an die Adresse der Bedenkenträger.

800 Steine seien überwiegend von rechtsextremen Gruppen bisher herausgerissen worden. Aber sie seien immer sehr rasch ersetzt worden. Weil Steine überall präsent sind, nennt Demnig sie einen „Gegenentwurf zu zentralen Gedenkstätten“. Und weil die Nachfrage nach diesen Steinen immer weiter zunehme, habe er im letzten Jahr drei Mitarbeiter zur Bewältigung dieser Arbeiten einstellen müssen. Ganz besonders freut sich der Künstler über das Engagement vieler Schulklassen für sein Projekt. In 31 Ländern würden diese zwischenzeitlich liegen. „Nur Belarus war dagegen“ berichtete Demnig.

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