Vorsitzender, Abteilungsleiter, Trainer: „Ein bisschen verrückt musst schon sein“

Kirchenthumbach. Der Sportclub gehört mit seiner Nachwuchsarbeit zu den aktivsten Vereinen in der nördlichen Oberpfalz. Das liegt vor allem an einem Mann.

Bei der Verleihung des Ehrenamtspreises (von links): Josef Müller (Vizepräsident LOTTO Bayern), Gerhard Lindner (SC Kirchenthumbach), Stefan Merkel (BFV-Verbandsehrenamtsreferent) und Christoph Kern (BFV-Präsident). Foto: BFV

21 Jahre aktiver Fußballer, acht Jahre Abteilungsleiter, acht Jahre Vorsitzender, seit sechs Jahren Trainer-C-Lizenzinhaber, seit vielen Jahren Trainer verschiedener Nachwuchsteams beim SC Kirchenthumbach – diese Auflistung verdeutlicht allein schon die bemerkenswerte Laufbahn von Gerhard Lindner. Dies war auch dem Bayerischen Fußballverband (BFV) eine besondere Auszeichnung wert: Der Multifunktionär wurde bei der 27. BFV-Ehrenamtspreisverleihung unter insgesamt 22 Kreissiegern Dritter hinter Rudolf Kerl (TSV Lengfeld 1876) und Christian Dorsch (SV Blau-Weiß Sassendorf).

„Fußball ist alles“

Wenn Gerhard Lindner sagt: „Fußball ist für mich alles“, ist das keine Floskel. Seine funkelnden Augen, wenn er von seinem Hobby erzählt, verraten, dass er das genauso meint. Und wenn selbst seine neben ihm sitzende Gattin Karin zustimmend und lächelnd nickt, muss es wohl stimmen.„Das absolut Wichtigste in einem Sportverein ist der Nachwuchs“, sagt er und macht deutlich, wo seine Prioritäten liegen.

Ähnlich sieht man es auch beim Sportclub Kirchenthumbach, dessen Jugendarbeit über die Grenzen des Fußballkreises Amberg-Weiden hinaus als vorbildlich gilt. Circa 160 Mädchen und Buben kicken in den 13 Juniorenmannschaften des SC, darunter vier Mädchenteams. „Und alles ohne eine einzige Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen“, sagt Lindner stolz und zeigt einige Tabellen, um seine Aussage zu bestätigen.

„Tag für Tag, Jahr für Jahr“

„Der Fußball und vor allem der SC Kirchenthumbach genießen im Leben von Gerhard Lindner einen besonderen Stellenwert. Deshalb hat er sich zum Ziel gesetzt, seinen Herzensklub immer weiter voranzubringen. Tag für Tag, Jahr für Jahr. Die Jugend liegt ihm dabei besonders am Herzen: Wenn er nicht gerade selbst am Spielfeldrand steht und Jugendmannschaften coacht, ist er auf der Suche nach gut ausgebildeten Jugendtrainern. Damit diese immer auf Ballhöhe bleiben und die bestmögliche Ausbildung genießen, schickt Gerhard Lindner alle Trainer regelmäßig zu Aus- und Fortbildungen des BFV. Ihm ist es auch zu verdanken, dass alle dabei anfallenden Kosten vom Verein übernommen werden.“ Auch dem Fußballverband ist das Engagement des 52-Jährigen nicht verborgen geblieben, wie dieser Auszug aus der Laudatio der Preisverleihung in München untermauert.

65.000 Euro gesammelt

Kennt man Gerhard Lindner, dessen zwei Söhne (23 und 20 Jahre) natürlich auch beim SC kicken, ist es keine Überraschung, wenn er als schönstes Erlebnis in seiner Vereinslaufbahn nicht etwa eine Meisterschaft oder einen Aufstieg nennt. „Mein größter Erfolg war der Bau des mit Rundum-Bande und Fangnetz ausgestatteten Mini-Spielfelds, für das ich 65.000 Euro gesammelt habe.“

Mit der „Raiffeisen Kids-Arena“ wollte man den Straßenballfußball wiederbeleben und den Kindern Lust am Fußball vermitteln. Es spricht für den SC, dass dort nicht nur aktive Spieler oder Vereinsmitglieder, sondern jeder Fußballbegeisterte kicken darf.

Stets aufmerksamer Beobachter: Trainer Gerhard Lindner beim Training mit einigen seiner Jungs von der C-Jugend. Foto: Jürgen Masching
Stets aufmerksamer Beobachter: Trainer Gerhard Lindner beim Training mit einigen seiner Jungs von der C-Jugend. Foto: Jürgen Masching
Das Kleinspielfeld bietet dem Nachwuchs beste Trainingsmöglichkeiten. Foto: Jürgen Masching
Das Kleinspielfeld bietet dem Nachwuchs beste Trainingsmöglichkeiten. Foto: Jürgen Masching
Die Raiffeisen Kids-Arena dürfen nicht nur Vereinsmitglieder nutzen. Foto: SC Kirchenthumbach
Die Raiffeisen Kids-Arena dürfen nicht nur Vereinsmitglieder nutzen. Foto: SC Kirchenthumbach
Jürgen Masching
Jürgen Masching
SC Kirchenthumbach

Vom Bauernhof

Lindners Leidenschaft für den Fußballnachwuchs kommt vielleicht auch daher, weil er nicht vergessen hat, wo er herkommt. „Ich bin in einem Dorf auf einem Bauernhof aufgewachsen und musste nach dem Erdäpfel klauben noch vier Kilometer laufen oder mit dem Fahrrad fahren, um ins Training zu kommen. Als ich meine ersten Fußballschuhe bekommen habe, war dies das Höchste für mich.“ Lindner hat bis 38 Fußball gespielt, „weil es mir Spaß machte und weil ich dem Verein was zurückgeben wollte“.

„Heimat SCK“

Zurückgegeben hat Linder seinem SC schon ziemlich viel, wie der BFV-Laudatio weiter zu entnehmen ist: „…Dass Menschen beim SCK – sportlich wie menschlich – eine Heimat finden, hat für den ehemaligen Vorsitzenden (Lindner) oberste Priorität: Er organisierte Gelder der DFB-Stiftungen, um beispielsweise syrischen und ukrainischen Kindern das Fußballspielen zu ermöglichen und sie in den Verein zu integrieren. Großgeschrieben wird auch der Frauen- und Mädchenfußball: 2004 rief Gerhard Lindner als Fußball-Abteilungsleiter die erste Frauenmannschaft ins Leben. Durch sein gezieltes Werben konnte man für die Saison 2022/23 drei Mädchen- und ein Frauenteam für den Spielbetrieb melden.“

Gerhard Lindner mit seiner Frau Karin, die voll hinter dem Hobby ihres Mannes steht. Foto: Udo Fürst

Wertschätzung wichtig

„Für mich war und ist die öffentliche Darstellung und Wahrnehmung eines Vereins ungemein wichtig“, betont Lindner. Deshalb auch sein Motto „Jugendarbeit first“. In seinen Mannschaften kämen immer alle Spieler zum Einsatz, ob gut oder schlecht. „Ich wechsle prinzipiell in der ersten und in der zweiten Halbzeit je vier Spieler aus und ein. Unabhängig vom Spielstand.“ Das habe auch etwas mit Wertschätzung zu tun, die beim SC Kirchenthumbach eine wichtige Rolle spiele. „Bei uns grüßt jeder jeden, das ist Respekt gegenüber dem anderen.“

Neid und Missgunst

Dieser Respekt wäre auch gegenüber dem Ehrenamt wichtig, doch hier kranke es oft gewaltig, bedauert Lindner. „Mein Preis ist zwar schön und macht mich auch ein wenig stolz, aber wichtiger wäre, wenn das Ehrenamt allgemein mehr wertgeschätzt würde. Diese Arbeit, egal ob bei Feuerwehr, Hilfsdiensten oder im Verein, sei nicht mit Geld aufzuwiegen. Leider herrschen in Deutschland oft Neid und Missgunst, wenn man Erfolg hat.“ Er sei auf jeden Fall unheimlich stolz auf den Verein und seine Verantwortlichen, die seinen vor Jahren eingeschlagenen Weg voll weitergingen. „Wir haben alle das gleiche Ziel, das da heißt Jugendarbeit, Jugendarbeit, Jugendarbeit.“

Kraft und Freude

Als Jugendtrainer will er weitermachen, solange es ihm Spaß macht. „Du musst zwar ein bisschen verrückt sein, wenn du für diesen Job den Großteil der Freizeit opferst. Andererseits gibt mir die Arbeit Kraft und macht mir Freude. Wenn ich einen stressigen Tag hatte, ist das Training mit den Jungs die beste Erholung. Das bringt mich wieder voran.“ Weil ihm die Nachwuchsarbeit so am Herzen liege, habe er auch seinen Posten als Vorsitzender des SCK gegen den des Trainers eingetauscht. „Mit gutem Gewissen, weil jetzt ganz hervorragende Leute den Verein führen.“

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