Warum war der mutmaßliche Rechtsterrorist Franco A. in Vohenstrauß?: Diskussion am 6. Juli

Vohenstrauß/Weiden. Franco A. hat ein Doppelleben geführt, als Soldat und Flüchtling. Er wird verdächtigt, Terroranschläge geplant haben. Sein Weg führte ihn auch nach Vohenstrauß. Über diese Verbindung in die Oberpfalz will eine Podiumsdiskussion aufklären.

Christina Schmid ist Vertreterin des OBTM, und stellvertretende Vorsitzende der Jusos Oberpfalz. Bild: Beate Luber

„Licht an“, lautet das Motto der Podiumsdiskussion am 6. Juli in der Stadthalle Vohenstrauß vom Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte (OBTM Weiden-Neustadt) und der DGB Jugend Oberpfalz. Es geht um den Fall Franco A., der sich als syrischer Flüchtling ausgab und gleichzeitig als Oberleutnant bei der Bundeswehr angestellt war. Gerade läuft ein langwieriger Prozess gegen ihn, unter anderem wegen Terrorverdacht.

Er soll eine schwere staatsgefährdende Straftat vorbereitet, Anschläge auf Politikerinnen und Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens geplant haben. Am 5. Juli soll das Urteil im Prozess gegen Franco A. in Frankfurt verkündet werden, einen Tag später ist die Podiumsdiskussion in Vohenstrauß.

Waffenmesse und Schießübungen in Vohenstrauß

Während Franco A. das Doppelleben als Flüchtling und Soldat führte und Terrorverbrechen vorbereitet haben soll, war er mehrmals zu Gast in Vohenstrauß und Umgebung. Er kaufte dort Waffenzubehör, machte in Vohenstrauß Waffenübungen und besuchte eine Waffenmesse. Genaue Infos zu den Aktivitäten von Franco A. und seinen Netzwerken im Raum Vohenstrauß und in Bayern sind noch sehr unklar, sagen die Organisatoren von OBTM. Christina Schmid, die auch aus Vohenstrauß kommt, erklärt mehr dazu.

Der Flyer zur Podiumsdiskussion am 6. Juli in Vohenstrauß. Bild: OBTM Weiden-Neustadt
Der Flyer zur Podiumsdiskussion am 6. Juli in Vohenstrauß. Bild: OBTM Weiden-Neustadt
Der Flyer zur Podiumsdiskussion am 6. Juli in Vohenstrauß. Bild: OBTM Weiden-Neustadt
Der Flyer zur Podiumsdiskussion am 6. Juli in Vohenstrauß. Bild: OBTM Weiden-Neustadt
Der Flyer zur Podiumsdiskussion am 6. Juli in Vohenstrauß. Bild: OBTM Weiden-Neustadt
Der Flyer zur Podiumsdiskussion am 6. Juli in Vohenstrauß. Bild: OBTM Weiden-Neustadt

OberpfalzECHO: Eure Aktion heißt „Licht an“. Auf was genau wollt ihr Licht werfen?

Christina Schmid: Wir wollen mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Unserer Meinung nach ist viel zu wenig bekannt, dass Franco A. in Vohenstrauß war, dass er dort im Schützenheim mit einer vollautomatischen Waffe geschossen hat, die dort gar nicht erlaubt ist. Dass er bei der Waffenmesse der „German Rifle Association“ 2017 ebenfalls in Vohenstrauß war. Auch die Rolle des Waffenhändlers aus dem Raum Vohenstrauß ist noch vollkommen unklar. Er hat ihm Zubehör gekauft. Während er Schützenmeister war, hat Franco A. im Vohenstraußer Schützenheim mit der Vollautomatischen geübt. Auch die rechtsextremen Verbindungen der „Chatgruppe Süd“ und des Vereins „Uniter“, in der der Vohenstraußer Waffenhändler und Franco A. Mitglied waren, sind noch vollkommen unaufgeklärt.

OberpfalzECHO: Dafür findet aber doch jetzt der Prozess statt, um das aufzuklären.

Christina Schmid: Der Prozess geht nicht weit genug. Er beleuchtet zu wenig die Netzwerke, in denen Franco A. mutmaßlich unterwegs war. Der Waffenhändler und die Mitglieder der Chatgruppe haben bis jetzt ja nur als Zeugen ausgesagt. Deshalb fordern wir dazu einen Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag.

OberpfalzECHO: Was erhofft ihr euch von dem bayerischen Untersuchungsausschuss zu Franco A.?

Christina Schmid: Es gibt sehr viele Ungereimtheiten, die aufgeklärt gehören. Darunter auch die Frage: Wo sind die ganzen Waffen, die Franco A. laut Generalbundesanwaltschaft in Besitz hatte? Hatte er in Bayern Unterstützung? Das ist vor allem für den Schutz der Bevölkerung relevant. Mir ist auch wichtig: Die Veranstaltung ist kein böser Fingerzeig auf den Schützenverein oder die Region. Doch wenn es Verstrickungen gibt, müssen die einfach aufgedeckt werden.

OberpfalzECHO: Was ist bei der Podiumsdiskussion am 6. Juli geplant?

Christina Schmid: Jan Nowak von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus moderiert die Veranstaltung. Katharina König-Preuss, Linken-Abgeordnete des Thüringer Landtags, ist per Video zugeschaltet. Sie stand auf der Todesliste, die ein Bundeswehrkamerad von Franco A. erstellt hatte. Robert Andreasch von der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) ist mit dabei. SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch, der auch im NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag saß, hat Sitzungswoche in Berlin, sendet aber eine Videobotschaft. Und ich bin auch mit dem auf dem Podium als Vertreterin von OBTM.

OberpfalzECHO: Hat OBTM schon weitere Veranstaltungen zu dem Thema geplant?

Christina Schmid: Mit der Podiumsdiskussion wollen wir erst einmal grundsätzlich aufklären. Dieses Momentum wollen wir nutzen, um weitere Aktionen zu entwickeln, seien es Demos oder Infostände. Die Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung steht dabei immer im Mittelpunkt.

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