Diskussion in Vohenstrauß: „Geschichte von Franco A. ist eine lokale Geschichte“

Weiden. Der mutmaßliche Rechtsterrorist Franco A. steht vor Gericht. Fünfmal war er in Vohenstrauß: jedes Mal wegen Waffen. Eine Podiumsdiskussion bringt Licht in diesen Fall.

Veranstalter Thomas Wipper und Christina Schmid mit Redner Robert Andreasch (Mitte). Bild: Beate Luber
Veranstalter Thomas Wipper und Christina Schmid mit Redner Robert Andreasch (Mitte). Bild: Beate Luber
Rednerin Katharina König-Preuss ist online zugeschaltet. Bild: Beate Luber
Rednerin Katharina König-Preuss ist online zugeschaltet. Bild: Beate Luber
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Etwa 50 Leute kamen in die Stadthalle nach Vohenstrauß zur Veranstaltung „Licht an! Rechte Umtriebe im Hinterland lückenlos beleuchten“. Die Podiumsdiskussion konzentrierte sich auf den Fall Franco A. Das Urteil im gefühlt endlosen Prozess gegen den Bundeswehrsoldaten in Frankfurt war eigentlich am 5. Juli erwartet, einen Tag vor der Podiumsdiskussion in Vohenstrauß. Doch die Urteilsverkündung hat sich um weitere Tage verschoben. Dass der Angeklagte zahlreiche Verbindungen nach Vohenstrauß hatte, ist jedoch schon jetzt klar.

Waffenladen, Waffenmesse, Waffenübungen

Dass Franco A. ein Rechtsterrorist ist, der Terroranschläge plante, und Waffen hortete – davon ist die Bundesanwaltschaft überzeugt, und wohl auch ein großer Teil des Publikums in Vohenstrauß. Bei der Podiumsdiskussion ging es eher um die Frage, was Vohenstrauß damit zu tun hat. Die Antwort: viel. Redner Robert Andreasch von der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (Aida-Archiv) betonte: „Die Geschichte von Franco Albrecht ist auch eine bayerische Geschichte – und sie ist eine lokale Geschichte.“

Denn zur Hochzeit seiner Aktivitäten war der mutmaßliche Rechtsterrorist 2016 mehrmals im Vohenstrauß: im Waffenladen, im Schützenheim, bei einer Waffenmesse. Insgesamt fünfmal besuchte er laut Andreasch die Stadt.

Schießübungen in Vohenstrauß mit Sturmgewehr

Andreasch zeigt die Indizienkette auf, wie sie die Bundesanwaltschaft im Prozess darstellte: Im Juli ist Franco A. in Berlin, spioniert die Tiefgarage der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung aus. Nur vier Tage später, am 26. Juli 2016, machte er Schießübungen im Schützenheim der Schützengesellschaft 1565 Vohenstrauß mit einem Sturmgewehr G3. Die Waffe ist nicht für das Schützenheim zugelassen, keiner fragt nach. Zwei Tage nach seinem Aufenthalt in Vohenstrauß fährt Franco A. nach Paris, wo er eine wohl Pistole kauft.

Auch danach ist Franco A. nochmal in Vohenstrauß, wieder einmal wegen Waffen. Er besucht im Oktober 2016 die Waffenmesse „German Rifle Association“, shoppt im örtlichen Waffenladen von Besitzer und Schützenmeister der SG 1565 Rainer Hengstl. Es sind also zahlreiche Querverbindungen, die die Podiumsdiskussion zwischen dem mutmaßlichen Rechtsterroristen und Vohenstrauß zieht.

Widerspruch und Solidarität zeigen

Was rechte Gewalt für die Opfer bedeutet, schildert eindrücklich Katharina König-Preuss, Linken-Abgeordnete des Thüringer Landtags, die online zugeschaltet ist. Jede Person, die sich derzeit offen gegen rechts äußere, könne Angriffe nicht ausschließen. Sie forderte mehr Unterstützungsfonds für Betroffene rechter Gewalt. „Wir müssen immer in jedem einzelnen Fall Widerspruch zeigen und Solidarität zu zeigen“, forderte sie. Ein Gefühl von Normalität dürfe nicht eintreten: „Es braucht die Skandalisierung.“

In einem Grußwort per Video bezeichnete Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch den Rechtsextremismus „als größte Gefahr für unser Land“. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Oberpfälzer Bündnis für Toleranz und Menschenrechte (OBTM) Weiden-Neustadt, und von der DGB Jugend Oberpfalz, gefördert von Neustadt lebt Demokratie.

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