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Gut besuchter Künstlerabend mit Roman Knižka in Weiden - Das Scheitern der Weimarer Demokratie

Weiden. Mit eindringlichen Texten und Musik erinnerten Schauspieler Roman Knižka und das Bläserquintett Opus 45 in St. Michael an die Jahre 1929 bis 1933. Die zentrale Botschaft: Die Weimarer Republik scheiterte auch an ihren eigenen Demokraten – eine Mahnung für die Gegenwart.

Weiden. Mit eindringlichen Texten und Musik erinnerten Schauspieler Roman Knižka und das Bläserquintett Opus 45 in St. Michael an die Jahre 1929 bis 1933. Die zentrale Botschaft: Die Weimarer Republik scheiterte auch an ihren eigenen Demokraten – eine Mahnung für die Gegenwart.
Schauspieler Roman Knizka bei seinem Auftritt in St. Michael in Weiden. Foto: Siegfried Bühner

Gut besuchter Künstlerabend mit Roman Knižka in Weiden - Das Scheitern der Weimarer Demokratie

Gastbeitrag von Siegfrid Bühner

Die Weimarer Demokratie scheiterte an den Demokraten. „Aus der Vergangenheit lernen, bevor es zu spät ist.“ So lautete die Kernaussage eines künstlerischen Programmabends in der Kirche St. Michael in Weiden. Mit Texten, Liedern und musikalischen Interpretationen eines Bläserquintetts wurde die Zeit vor Hitlers Machtergreifung lebendig gemacht.

Künstlerische Inszenierung sehr gut besucht

„Wir sitzen in der Wilhelmstraße in Berlin, Hitler ist jetzt Reichskanzler geworden.“ Mit diesem Satz begann der Schauspieler Roman Knižka, begleitet vom Bläserquintett Opus 45, eine künstlerische Inszenierung der politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse der letzten drei Jahre vor der NS-Herrschaft in Deutschland. Zum Auftakt war das Vorspiel der Lohengrin-Oper von Richard Wagner zu hören.

Symbolhaft für das Ende der Weimarer Republik wurde diese romantische Musik dann plötzlich abgebrochen. Im Folgenden blickten die Künstler mit Texten, Liedern und musikalischen Sequenzen auf die Jahre vor Hitlers Machtergreifung zurück. Sie nannten ihre Aufführung „Lesung und Musikperformance“ mit dem Thema „Die Machtergreifung, Deutschland 1929-1933“. Das evangelische Bildungswerk Oberpfalz hatte zusammen mit dem Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing zu dieser sehr gut besuchten Veranstaltung eingeladen.

Anhand der Texte, unter anderem von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Hannah Arend und anderen bekannten Persönlichkeiten, charakterisierte Roman Knizka die politische und gesellschaftliche Entwicklung des Endes der Weimarer Republik. Zum Beispiel zitierte er Erich Kästner, der das damalige Geschehen mit der Bemerkung „jetzt beginnt die Dummheit als Volksbewegung“ umschrieb. Auch Kurt Tucholsky wurde zitiert. Dieser formulierte die Frage: „Dass der Nazi dir einen Totenkranz flicht: Deutschland, siehst du das nicht?“

Musikalisch vertont und vertieft wurden die jeweiligen Passagen dann immer wieder vom Bläserquartett Opus 45. Es war ein Zusammenspiel professionellster Akteure, zu erleben sonst nur auf Großstadtbühnen. Knizka trat als Rezitator und als Sänger abwechselnd auf. Bei Opus 45 war zu spüren, dass die Musiker aus bekannten großen deutschen Orchestern stammen.

Kultur und Zeitgeist der Weimarer Jahre im Fokus

Politische Geschehnisse, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen, standen im Mittelpunkt der Aufführung. Wirtschaftskrise einerseits, Berliner vielfältige Kulturszene andererseits wurden thematisiert. Not und Armut herrschten damals vielerorts. Gleichzeitig wurden Max Schmeling oder Marlene Dietrich in der Bevölkerung als große Stars verehrt. Deren bekannteste Lieder „Das Herz eines Boxers“ und „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurden von Knizka und Opus 45 perfekt interpretiert. Der Berliner Presseball des Jahres 1932 hatte Tausende fasziniert. Thema des Abends war aber vor allem das politische Geschehen.

Spedition Wagner
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Reichskanzler wechselten immer wieder, mehrmals gab es Reichstagsauflösungen, Notverordnungen und Neuwahlen. Reichstagsbrand, Horst-Wessel-Ermordung und andere politische Attentate wurden beschrieben. So war der Boden bereitet, dass dann am 30. Januar 1933 die NSDAP schließlich die Macht übernehmen konnte und die Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft gesetzt wurden. Den meisten Besuchern der Veranstaltung dürfte es kalt den Rücken hinuntergelaufen sein, als der Schauspieler Knizka realitätsnah Ansprachen und Gestik von Adolf Hitler und Joseph Goebbels imitierte.

Regionale Bezüge und historische Mahnung

Für den Abend hatte das Ensemble ein eigenes Weiden-Kapitel entwickelt. Darin zeigte sich im Kleinen, wie dramatisch sich die letzten Jahre der Weimarer Republik zuspitzten. Anfang der 1930er Jahre rief die Stadt zur „Weidener Winterhilfe“ auf. Arbeitslosigkeit, Armut und Zukunftsangst prägen den Alltag. In einem eindringlichen Appell bat man um Geld, Kleidung und Heizmaterial, um das Elend des Winters zu lindern. Gleichzeitig radikalisierte sich das politische Klima.

Die Zeitung berichtete über den tätlichen Angriff eines NSDAP-Stadtrats auf einen jüdischen Händler – ein Ereignis, das zeigt, wie schnell aus Hetze reale Gewalt werden kann. Im Oktober 1932 sprach schließlich Adolf Hitler in Weiden, vor Tausenden Menschen in einem großen Zelt auf dem Hammerwegsportplatz. Zeitgenossen, wie Max Regers Lehrer Adalbert Lindner, notierten zwar skeptisch „die immer gleichen Phrasen“ – und doch wurde deutlich, wie weit die nationalsozialistische Propaganda bereits vorgedrungen war.

In der abschließenden Kernaussage des Programmabends standen Gedanken des Historikers Christoph Nonn im Mittelpunkt. Er stellte fest, dass die Weimarer Republik an den Demokraten selbst scheiterte, weil diese mit „kleinlicher Interessenspolitik“ den Gegnern der Demokratie Auftrieb verliehen hätten. Wer wollte, konnte damit auch einen Bezug zur aktuellen politischen Situation in Deutschland herstellen.