Nach zwei Jahren Vorbereitung: Ovigo-Theater startet „Fingierte Grenzen“-Projekt

Bärnau. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit ist es am 4. Juni soweit. Die Zeitreise "Fingierte Grenzen - Auf den Spuren der Aktion ,Kámen'" feiert ihre Uraufführung - oder besser gesagt die Urwanderung über vier Kilometer bei der grenzüberschreitenden Tour Bärnau/Obora u Tachova.

Eindruck von den Proben bei Bärnau/Obora mit den Schauspielern Silvia Siebert (links), Finn Ebenschwanger (Mitte) und Regisseur Florian Wein (rechts). Foto: Mónica Fino

„Fingierte Grenzen“ wurde als zweisprachiges Theatererlebnis konzipiert, gespielt von etlichen Akteuren aus Deutschland und Tschechien. Die Zeitreise wird ab dem 19. Juni auch bei Selb/Aš, ab dem 17. Juli bei Waldsassen/Cheb und ab dem 6. August als Wander-Special bei Stadlern/Bělá nad Radbuzou starten.

Geheimdienst richtete fingierte Grenzen ein

Worum geht es in dieser Zeitreise, also der geführten Schauspiel-Wanderung, die die Autorin und Forscherin Václava Jandečková für das OVIGO Theater geschrieben hat? In den Jahren 1948 bis 1951 errichtete die tschechoslowakische Geheimpolizei an mehreren Stellen im westlichen Grenzland eine fingierte Staatsgrenze mit falschen deutschen Zollämtern und Amtsräumen der amerikanischen Spionageabwehr.

Dabei handelte es sich um sorgfältig durchdachte Fallen, die im richtigen Moment zuschnappen sollten. Flüchtlinge wähnten sich bei bereits im sicheren und freien Westen, ohne zu wissen, dass die Grenze, die sie übertreten sollten, nicht echt war. Alles reiner Betrug, der Leben zerstörte. Unzählige Menschen fielen dieser Aktion ,Kámen‘ zum Opfer.

Falsche Zollhäuser existieren heute noch

Die falschen Grenzen und Zollhäuser existieren teilweise noch heute und demonstrieren, welch menschenverachtenden Machenschaften sich mitten in der Grenzregion abgespielt haben. „Fingierte Grenzen“ spürt diese scheinbar vergessene Zeit aus dem Kalten Krieg nach und führt zu Original-Relikten der Aktion ,Kámen‘ – zum Beispiel zu dem Punkt, an dem früher die „falsche“ Schranke und das falsche deutsche Zollhaus stand.

Bei einem Auftakt-Event im Badehaus Maiersreuth wurden bereits einige Szenen gezeigt, die auf abstrakte Art und Weise den perfiden Inhalt der Aktion „Kámen“ näherbrachten. Besonders bewegend wurde es, als Hana Moravcová interviewt wurde – die Tochter von Emanuel Valenta, der einst in die Falle tappte und dessen Geschichte bei „Fingierte Grenzen“ ebenfalls behandelt
wird.

Prominente Schirmherrn

Zudem konnte das Ovigo-Theater auch einige prominente Schirmherren für das
Projekt gewinnen. Neben den deutschen Landräten Thomas Ebeling (Schwandorf) und Roland Grillmeier (Tirschenreuth) waren auch das tschechische PEN-Zentrum und der Pilsener Regionspräsident Rudolf Špoták sofort mit an Bord.

Die meisten der 32 regulären Termine für die Touren von Bärnau, Selb, Waldsassen und Stadlern sind schon ausverkauft. Sämtliche Zeitreisen können aber auch als Gruppe gebucht werden. Weitere Informationen und den Vorverkauf gibt es unter http://www.ovigo-theater.de

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